Frauen, die bei der Arbeit Reinigungsmitteln ausgesetzt sind, bringen mit größerer Wahrscheinlichkeit Kinder mit Asthma zur Welt

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Sind Mütter an ihrem Arbeitsplatz umweltschädlichen Reinigungsmitteln ausgesetzt, kann das die Gesundheit ihres zukünftigen Kindes beeinträchtigen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die im Fachmagazin „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ veröffentlicht wurde. Die Untersuchung zeigt, dass Kinder, deren Mütter während oder vor der Schwangerschaft am Arbeitsplatz Reinigungsmitteln ausgesetzt waren, häufiger Asthma entwickelten als Mütter, die diesen Produkten nicht ausgesetzt waren.

Wissenschaftler wissen schon lange, dass die regelmäßige Exposition gegenüber Chemikalien in Waschmitteln bei manchen Menschen Asthma auslöst oder Asthmasymptome verschlimmern kann. Die neue Studie zeigt jedoch, wie dieses Gesundheitsrisiko von der Mutter auf das Kind übertragen wird.

Die Studie stützt sich auf Daten von zwei Generationen: Etwa 3.300 Personen wurden zwischen 1962 und 1998 geboren, ihre Mütter zwischen 1945 und 1973. Jede der Mütter übte mindestens sechs Monaten einen Job aus, in dem sie hoch- oder mittelkonzentrierten Reinigungsmitteln ausgesetzt war. Dazu gehören Tätigkeiten als professionelle Reinigungskraft in einem Büro, Hotel oder Zuhause ebenso wie als Haushälterin, Restaurant-Kauffrau, Einbalsamiererin oder Friseurin.

In dieser Gruppe von Müttern waren 150 Personen innerhalb von mindestens zwei Jahren vor der Geburt ihrer Kinder Reinigungsmitteln ausgesetzt, jedoch nicht während oder nach der Schwangerschaft. Die Kinder dieser Mütter hatten vor dem Alter von zehn Jahren häufiger Asthma, als jedes andere Kind in der Studie. Auch Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft, ein Jahr nach der Geburt oder drei bis 15 Monate vor der Empfängnis Reinigungsmitteln ausgesetzt waren, haben vor dem zehnten Lebensjahr ein erhöhtes Asthmarisiko. Die Forscher schreiben, dass die Studie "der wachsenden Besorgnis über die gesundheitlichen Auswirkungen von Reinigungsmitteln eine neue Dimension hinzugefügt hat". eI3 Produkte, die wir heute verwenden, könnten zukünftigen Generationen schaden.

Chemikalien in Reinigungs- und Desinfektionsmitteln werden mit Asthmasymptomen in Verbindung gebracht

An der Studie nahmen Mütter aus Nordeuropa und Australien teil, die Innenreinigungsmitteln – hauptsächlich Wasch- und Desinfektionsmitteln – ausgesetzt waren. Die Ergebnisse zeigen, dass das Risiko für Asthma bei allen untersuchten Kindern gleich war – unabhängig davon, ob die Mütter vor der Geburt ihrer Kinder geraucht oder Asthma hatten. Die Studie untersuchte jedoch nicht speziell bestimmte Produkte oder die darin enthaltenen Chemikalien. Eine Studie aus dem Jahr 2015 ergab jedoch, dass Bleichmittel, Fensterreiniger, Waschmittel und Lufterfrischer Asthmasymptome bei professionellen Reinigungskräften verschlimmerten.

Viele dieser Produkte enthalten Ammoniak, eine starke Chemikalie, die Fett und Schimmel beseitigt. Mehrere Studien legen nahe, dass eine häufige Ammoniak-Aussetzung Asthmasymptome verursachen kann. Reinigungsmittel können auch flüchtige organische Verbindungen freisetzen, eine Gruppe von farblosen (und oft geruchlosen) Dämpfen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die das Einatmen von diesen Chemikalien in Innenräumen mit Asthma in Verbindung gebracht werden kann. Es sind jedoch noch weitere Untersuchungen erforderlich, um das Risiko zu bewerten.

Reinigungschemikalien könnten die Fortpflanzungszellen der Mutter verändern

Die Forscher waren nicht in der Lage, genau zu bestimmen, warum die Kinder in der Studie Asthma entwickelten. Eine Theorie ist, dass Reinigungschemikalien während der Schwangerschaft die Plazenta passieren und so von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden. Die Chemikalien könnten dann die Entwicklung der Atemwege des Kindes im Mutterleib verändern und zu Asthmasymptomen in der frühen Kindheit führen. Diese Theorie erklärt jedoch nicht, warum Kinder am ehesten an Asthma erkrankten, wenn ihre Mütter schon lange vor der Schwangerschaft Reinigungsmitteln ausgesetzt waren.

Daher stellten die Forscher eine andere Hypothese auf: Die Chemikalien in den Reinigungsmitteln könnten die Keimzellen der Mutter verändern – die Zellen, die für die Weitergabe von Genen an die nächste Generation verantwortlich sind. In diesem Fall könnte das Kind, auch wenn die Mutter während der Schwangerschaft keinen Reinigungsmitteln ausgesetzt war, eine Reihe von genetischen Anweisungen erben, die ihm nach der Geburt das Atmen erschweren. Frühere Forschungen haben ergeben, dass die Stoffe, denen eine Mutter – oder sogar eine Großmutter – ausgesetzt ist, das Asthmarisiko eines Kindes beeinflussen können.

Vergangenes Jahr ergab eine Studie, dass Kinder ein höheres Asthmarisiko haben, wenn ihre Mütter als Kinder Luftverschmutzung ausgesetzt waren. Und eine Studie aus dem Jahr 2018 ergab, dass Kinder unter sechs Jahren ein erhöhtes Asthmarisiko hatten, wenn ihre Großmütter während der frühen Schwangerschaft geraucht hatten – unabhängig davon, ob ihre Mütter ebenfalls geraucht haben.

Dieser Text wurde von Lisa Ramos-Doce aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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