Frau postet Google-Street-View-Bilder, weil sie nicht reisen kann

Mit Google-Street-View-Bildern reist Jacqui Kenny durch die Welt (Bild: Instagram)

Eine Frau kann wegen ihrer Krankheit nicht reisen. Doch das hindert sie nicht daran, die Welt zu erkunden – auf ihre eigene Art und Weise. Auf ihrem Instagram-Account teil sie atemberaubende Google-Street-View-Bilder und begeistert damit Tausende.

“Agoraphobie und Angstzustände machen es mir fast unmöglich, zu reisen. Also habe ich einen anderen Weg gefunden, um die Welt zu sehen“, schreibt Jacqui Kenny auf ihrem Instagram-Account.

Sie selbst nennt sich “Agoraphobische Reisende“ und hat Angst vor großen Menschenansammlungen und vor öffentlichen Plätzen. Die Krankheit macht es ihr unmöglich, die Welt zu entdecken. Deshalb reist Jacqui Kenny mit Google Street View durch die Straßen von Durango, in Mexiko, besucht den Zirkus in Tembladera, Peru, oder schlendert durch die Gassen von Touba in Senegal.

Menschen mit Platzangst fürchten sich davor, die Kontrolle zu verlieren. Häufig bekommen sie Panik, ihr Herz fängt an zu rasen, sie zittern oder ihnen wird schwindelig. Vor acht Jahren wurde die Krankheit bei Jacqui Kenny diagnostiziert, doch da litt sie schon seit Jahren unter ihren Ängsten.

“Die kleinste Reise kann sich so anfühlen, als ob ich den Mount Everest besteige”, sagt sie gegenüber “Spon”. Flugzeuge und Züge seien für sie besonders schwierig, dort habe sie das Gefühl, nicht entkommen zu können.

Deshalb fing Jacqui Kenny an, Google Maps zu durchforsten – nach Orten, die sie so gerne sehen möchte, aber vermutlich nie besuchen wird. Ihre Eindrücke hält die Londonerin mit Screenshots fest und postet diese auf ihrem Instagram-Accounts. Den Trubel der Großstädte meidet sie nicht nur im echten Leben, sondern auch auf Google Street View. Die Bilder, die sie auswählt, zeigen meist verlassene Regionen, die aus einer anderen Welt zu sein scheinen. Melancholisch, in zarten Pastellfarben, irgendwie wehmütig.

“Ich liebe Orte, die nah am Äquator sind, dort wo die Sonne sehr tief oder sehr hoch steht. Ich suche auch nach Plätzen mit lebhaften Farben in der Architektur und der Mode, das findet man vor allem in Südamerika und Afrika”, so Kenny.

Über 1000 Städte hat sie auf diese Weise bereits besucht, fast 50.000 Follower hat sie inzwischen. Manche Orte erschließe sie schnell, bei anderen dauere es länger, das richtige Motiv zu finden. Manchmal dauert es Wochen, bis sie einen guten Bildausschnitt findet.

Kenny wird leider nie alles sehen können. Was Googles Kameraautos nicht fotografieren, bleibt ihr für immer verschlossen. Trotzdem hat ihr das Projekt geholfen: “Es hat mich auf vielfache Weise der Welt nähergebracht. Ich fühle mich mit den Orten, die ich besucht habe, verbunden.“