Frau von inhaftiertem chinesischen Menschenrechtsanwalt unter Hausarrest

Li (m.) mit anderen Frauen von Menschenrechtsaktivisten

In China ist die Frau eines inhaftierten Menschenrechtsanwalts nach einem einwöchigen Protestmarsch unter Hausarrest gestellt worden. Li Wenzu erklärte am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter, sie sei "von 40 bis 50 Leuten" in ihrer Wohnung festgesetzt worden. Ein Freund, der sich besuchen wollte, sei aufgehalten und geschlagen worden. "Ich kann nur aus dem Fenster klettern, um zu rufen", berichtete Li. Auf einem Video, das sie über Twitter verbreitete, sitzt sie schreiend und gestikulierend auf dem Fensterbrett.

Li war am Mittwoch vergangener Woche zu einem hundert Kilometer langen Protestmarsch aufgebrochen, um auf das Schicksal ihres Mannes aufmerksam zu machen. Der Rechtsanwalt Wang Quanzhang, der Aktivisten und Opfer von Landenteignungen vertrat, verschwand 2015 im Zuge einer Polizeiaktion gegen Kritiker der kommunistischen Regierung. Wang wurde wegen des Vorwurfs der "Subversion" angeklagt, Anwälte durften ihn nicht besuchen.

Auch Li bemüht sich seit fast drei Jahren vergeblich darum, von der Polizei und den zuständigen Gerichten Antworten zu bekommen. Sie weiß nach eigenen Angaben nicht, ob ihr Mann noch lebt oder tot ist. Er habe "gewöhnliche Leute" vor Gericht vertreten und sitze dafür nun seit tausend Tagen in Haft, sagte Li in ihrem Video. "Ich bin losgegangen, um meinen Mann zu finden", fügte sie mit Blick auf ihren Protestmatsch hinzu.

Zusammen mit einer kleinen Gruppe von Unterstützern hatte sie sich von Peking aus auf den Weg zum "Gefangenenzentrum Nr. 2" in der Stadt Tianjin im Nordosten Chinas gemacht. Dort soll Wang den letzten Angaben der Behörden zufolge in Haft sitzen. Am Montag wurde der Protestzug kurz nach der Ankunft in Tianjin von der Polizei gestoppt. Mindestens zwei Teilnehmer wurden festgenommen und mehrere Stunden lang festgehalten.

Li und ihre Freunde mussten nach Peking zurückkehren. "Sie haben versucht, mich von dem Marsch nach Tianjin abzubringen, aber ich war nicht einverstanden", sagte Li am Montag der Nachrichtenagentur AFP. "Ich habe ihnen gesagt, dass ich die Freiheit habe, dahin zu gehen, wohin ich möchte."

AFP konnte Li am Mittwoch nicht erreichen. Ein Freund bestätigte, dass sie von Sicherheitskräften "überwacht" werde. "Sie kann ihr Haus immer noch nicht verlassen", sagte der Freund am Abend.