Französischer Soziologe nach neuneinhalb Monaten Haft im Iran wieder frei

Rohollahnedschad wird von seiner Familie empfangen

Nach neuneinhalb Monaten Haft im Iran ist der französische Wissenschaftler Roland Marchal nach Frankreich zurückgekehrt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gab die Freilassung am Samstag bekannt. Nach iranischen Angaben kam der 64-jährige Soziologe im Zuge eines Gefangenenaustauschs zwischen Paris und Teheran frei. Die französische Präsidentschaft äußerte sich dazu nicht.

Macron erklärte lediglich über sein Büro, er sei "glücklich", die Freilassung Marchals bekanntgeben zu können. Zugleich forderte er die iranischen Behörden auf, auch die französisch-iranische Anthropologin Fariba Adelkhah aus der Haft zu entlassen. Der Fall belastet die Beziehungen beider Länder.

"Roland ist zurück", teilte sein Unterstützerkomitee mit. Der 64-Jährige sei in ein Militärkrankenhaus in Saint-Mandé östlich von Paris gebracht worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP.

Der Iran hatte am Freitag erklärt, sich mit Frankreich auf einen Gefangenenaustausch verständigt zu haben. Frankreich ließ demnach den iranischen Ingenieur Dschalal Rohollahnedschad frei, dem wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen US-Sanktionen eine Auslieferung in die USA drohte. Das iranische Fernsehen zeigte, wie Rohollahnedschad in der Nacht zum Samstag in Teheran von seiner Familie begrüßt wurde.

Marchal und die 60-jährige Adelkhah waren im Juni 2019 von den iranischen Revolutionsgarden am Flughafen von Teheran festgenommen worden. Beiden wurde "Verschwörung gegen die nationale Sicherheit" vorgeworfen - ein Vorwurf, der im Iran mit fünf Jahren Haft bestraft werden kann.

Adelkhah wird darüber hinaus "Propaganda gegen das System" vorgeworfen. Der zunächst gegen sie erhobene Vorwurf der Spionage, auf den die Todesstrafe steht, wurde im Januar fallengelassen. Die Wissenschaftlerin ist durch einen 49-tägigen Hungerstreik sehr geschwächt.

Der Iran ließ anlässlich des persischen Neujahrsfestes am Freitag zahlreiche Gefangene vorzeitig frei - auch vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie, unter der das Land massiv leidet. Als Zeichen der Solidarität schickten Frankreich, Großbritannien und Deutschland Anfang März Schutzkleidung in den Iran.