Französischer Polizei wird brutales Vorgehens gegen Flüchtlinge vorgeworfen

Calais an der französischen Kanalküste.

Seit Jahren ein Brennpunkt der Flüchtlingskrise in Europa.

Zwar wurde das berüchtigte “Dschungel”-Lager im vorigen Jahr geschlossen, doch geriet Calais kürzlich erneut wieder in die Schlagzeilen.

Der Grund: angebliche Polizei-Brutalität gegen Flüchtlinge.

“Die Polizei kommt regelmäßig mitten in der Nacht und holt die Leute aus ihren Schlafsäcken”, sagt Fanny Plancon, eine Mitarbeiterin der französischen Caritas.

“Oft wenden die Beamte Pfefferspray gegen die Schlafsäcke oder Lebensmittel an. Ich habe viele Menschen ins Krankenhaus begleitet, die dabei verletzt wurden.

Die Polizei nimmt ihnen alles, selbst die Papiere. Das ist dann ein Problem.”

Human Rights Watch hat das Vorgehen der Polizei dokumentiert.

Die Menschenrechtsorganisation sprach von schweren Verstößen gegen internationale Abkommen.

Und es gibt Zeugen.

“Ich ging die Straße entlang, als Polizisten aus ihrem Wagen stiegen und mich mit Pefferspray besprühtejn”, sagt ein Flüchtling aus Afghanistan.

“Ich habe nichts mehr gesehen und wäre fast vor ein fahrendes Auto gelaufen.

Dabei hatte ich überhaupt nichts gemacht.

Ich habe Freunde, die mehrmals von der Polizei niedergeschlagen wurden.

Einige von ihnen sind immer noch im Krankenhaus.”

Die Behörden in Calais wiesen die Behauptungen als “erlogen und verleumderisch” zurück.

Die Polizei respektiere die Regeln des Rechtsstaats.

Ihr Ziel sei lediglich die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung.

“Man muß sich vorstellen, dass viele der Flüchtlinge in Libyen Gewalt und dann eine gefährliche Mittelmeer-Überquerung durchgemacht haben”, so die Caritas-Mitarbeiterin.

Heute sagen viele, Calais sei das Schlimmste gewesen.

Für mich als Französin ist das unerträglich.”

In Frankreich kursieren Presseberichte, wonach Staatspräsident Emmanuel Macron eine Untersuchung der Vorwürfe angeordnet hat.

Euronews wollte von den Behörden in Calais eine Reaktion vor der Kamera, doch die wurde uns verwehrt.