Französische Medien: Hat Alonso einen Renault-Vorvertrag unterschrieben?

Ruben Zimmermann

Kehrt Fernando Alonso noch einmal in die Formel 1 zurück? Der zweimalige Weltmeister hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er sich ein Comeback in der Königsklasse durchaus vorstellen kann - falls er dort siegfähiges Material bekommt. Die französische 'Auto Hebdo' berichtet nun, dass der Spanier womöglich ein drittes Mal zu Renault zurückkehren könnte.

Man habe "mehrere Quellen", die ernsthafte Gespräche zwischen Alonso und Renault bestätigen. "Womöglich wurde bereits ein Vorvertrag unterschrieben", heißt es in dem Artikel. Alonso fuhr bereits zwischen 2003 und 2006 und noch einmal 2008 und 2009 für die Franzosen. Mit dem WM-Titeln 2005 und 2006 feierte er doch auch seine größten Formel-1-Erfolge.

Doch wie realistisch wäre eine Rückkehr nach Enstone wirklich? Klar ist, dass Alonso dort bei einem Comeback 2021 mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um Siege oder gar die Weltmeisterschaft kämpfen könnte. Das hatte der Spanier in der Vergangenheit aber gleich mehrfach als Bedingung für eine mögliche Formel-1-Rückkehr genannt.

Zwar machte Renault bei den Wintertests in diesem Jahr einen guten Eindruck, allerdings dürfte es auch 2020 nicht reichen, um die drei Topteams herauszufordern. Und weil das neue Reglement auf 2022 verschoben wurde, dürfte Renault auch 2021 kein ernsthafter Titelanwärter sein. Und zu Beginn der Saison 2022 wäre Alonso bereits 41 Jahre alt.

Corona: Renault braucht Milliardenhilfen

Aus ähnlichen Gründen gilt auch ein Wechsel von Sebastian Vettel zu Renault als unwahrscheinlich - und der ist sogar noch einmal sechs Jahre jünger als Alonso. Ein warnendes Beispiel ist Daniel Ricciardo, der 2019 mit großen Ambitionen nach Enstone wechselte - nur um das Team nach zwei Jahren wieder in Richtung McLaren zu verlassen.

Und auch umgekehrt stellt sich die Frage, ob eine Alonso-Verpflichtung aus Sicht von Renault Sinn ergeben würde. Einerseits braucht das Team nach dem Ricciardo-Abgang einen großen Namen als Nachfolger. Andererseits müsste man für Alonso eine Menge Geld ausgeben, obwohl man weiß, dass man auch in den kommenden Jahren wohl nicht um den WM-Titel kämpfen kann.

Ohnehin gibt es Skeptiker, die daran zweifeln, ob Renault nach der Coronakrise überhaupt noch in der Formel 1 fahren wird. Zwar ist man dort bemüht, zu betonen, dass man auch über 2020 hinaus an der Königsklasse teilnehmen wird. Doch es ist kein Geheimnis, dass aktuell und in den kommenden Jahren alle Autohersteller sparen müssen.

In Frankreich stehen aktuell riesige Staatshilfen für Renault im Raum. Im Zuge der Coronakrise musste ein Großteil der Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden. Da wäre es der Öffentlichkeit vermutlich schwer vermittelbar, für viele Millionen einen ehemaligen Weltmeister für ein Formel-1-Projekt zurückzuholen, das ohnehin bereits kritisch beäugt wird.

Renault will keinen "frustrierten" Alonso

Ebenfalls spannend in diesem Zusammenhang: Im Sommer 2017 erklärte Teamchef Cyril Abiteboul, dass man kein Interesse an einer Alonso-Verpflichtung habe, weil das Team noch nicht gut genug sei, um den Ansprüchen des zweimaligen Weltmeisters zu genügen. Ohne Frage hat Renault seitdem Fortschritte gemacht und bessere Leistungen gezeigt.

Doch Abiteboul sagte damals über Alonso: "Er ist in Eile, um wieder in eine Position zu kommen, wo er um die Weltmeisterschaft kämpfen kann. Wir wissen, dass es bei uns noch eine Weile dauern wird, bis wir ein Auto haben, das so etwas bieten kann." Und er wolle keinen "frustrierten Fernando in einem Renault" haben.

Nimmt man also sowohl die Aussagen Alonsos als auch die Einstellung Renaults aus der Vergangenheit als Grundlage, scheint eine Rückkehr des Spaniers nach Enstone ziemlich unwahrscheinlich zu sein. Doch es wäre nicht das erste Mal, dass die Protagonisten der Formel 1 ihre Meinung plötzlich geändert haben.

Zumal Alonso ursprünglich einmal erklärt hatte, er könne 2021 in die Formel 1 zurückkehren. Allerdings war diese Aussage eigentlich gekoppelt an das neue Reglement, das mittlerweile auf 2022 verschoben wurde, und die Hoffnung, mit den neuen Regeln eine Chance auf Topergebnisse zu haben.

Mit Bildmaterial von LAT.