Französische Kirche beginnt mit Entschädigungszahlungen für Missbrauchsopfer

Die katholische Kirche in Frankreich hat mit der finanziellen Entschädigung von Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester und Ordensleute begonnen. Der speziell zu diesem Zweck aufgelegte Fonds habe sechs Betroffene finanziell entschädigt, teilte Gilles Vermot-Desroches, Präsident des Fonds (Selam), am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP mit. Zur Höhe der Zahlungen machte er keine Angaben.

Die Entschädigungen werden zunächst von einer unabhängigen nationalen Instanz (Inirr) geprüft, die Mitte Januar die ersten Fälle entgegennahm. Seitdem richteten sich 736 Opfer von Priestern oder Laien aus verschiedenen Kirchen an das Gremium, wie dessen Präsidentin Marie Derain de Vaucresson Mitte Juni bekanntgab. Betroffenen-Initiativen kritisierten das langsame Tempo des Verfahrens.

Die Inirr stuft die Missbrauchsfälle nach der Schwere der Tat, der Schwere der "Verfehlungen der Kirche" sowie der Schwere der Folgen ein, jeweils von eins bis zehn. Eine Untergrenze für die Entschädigungen gibt es nicht, sie können maximal 60.000 Euro betragen.

Laut dem Bericht einer unabhängigen Untersuchungskommission wurden in Frankreich seit 1950 schätzungsweise 330.000 Minderjährige von katholischen Priestern, Ordensleuten und Laien in katholischen Einrichtungen sexuell missbraucht.

Der Bericht hatte eine Schockwelle in Frankreich ausgelöst. Die Bischofskonferenz bekannte sich erstmals zur institutionellen Verantwortung der Kirche. Die Kirche habe die Opfer "weder angehört noch begleitet".

ck/pe

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