Wirtschaft in Frankreich und Spanien brummt

Während an der Börse Frankfurt wegen des deutschlandweiten Feiertags nicht gehandelt wird, erfreuen europäische Nachbarn mit positiven Wirtschaftszahlen. Der Euro notiert gegenüber dem Dollar noch leicht im Minus.


Wegen des landesweiten Reformationsfeiertages bleiben die Börsen in Deutschland am Dienstag geschlossen. Der Euro-Stoxx 50 notierte am Morgen leicht im Plus bei 3664 Punkten. Auch der französische Leitindex CAC 40 konnte im frühen Handel etwas zulegen. Die französische Wirtschaft ist im dritten Quartal so kräftig gewachsen wie seit 2011 nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Juli bis September um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistikamt Insee am Dienstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron ist damit auf gutem Weg, das im Haushaltsentwurf für dieses Jahr erwartete Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent zu erreichen oder zu übertreffen. Dadurch wird es einfacher, das Defizit im Staatshaushalt zu senken.

Verglichen mit dem Vorquartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt in den Sommermonaten wie von Ökonomen erwartet um 0,5 Prozent. Der private Konsum gewann dabei an Schwung: Er legte mit 0,5 Prozent fast doppelt so stark wie zu im Vorquartal. Die Unternehmen investierten 0,8 Prozent mehr, während die Exporte um 0,7 Prozent zunahmen. Im zweiten Quartal war die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone nach revidierten Daten um 0,6 (bisher 0,5) Prozent gewachsen. Präsident Macron will mit Reformen die Arbeitslosigkeit senken. Steuersenkungen, ein flexiblerer Arbeitsmarkt und Investitionen in die Ausbildung sollen dabei helfen.

Auch das Bruttoinlandsprodukt der Währungsunion dürfte in den Sommermonaten nach Schätzung von Ökonomen um 0,5 Prozent gewachsen sein. Das Statistikamt Eurostat wollte noch im Tagesverlauf eine erste Schätzung veröffentlichen.



Auch die spanische Wirtschaft ist im Sommerquartal ungeachtet der Katalonien-Krise kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Juli bis September um 0,8 Prozent, wie aus den am Montag veröffentlichten Daten des Statistikamtes in Madrid hervorgeht. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit diesem Ergebnis gerechnet, nachdem es im Vorquartal noch zu 0,9 Prozent reichte. Damit bleibt Spanien einer der am schnellsten wachsenden Euro-Staaten: Für die Währungsunion insgesamt erwarten Experten im dritten Quartal ein Plus von 0,5 Prozent.

„Die spanische Wirtschaft erholt sich gut“, sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. Das spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider: Die Arbeitslosenquote fiel im dritten Quartal auf 16,4 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit 2008. Anfang 2013 - auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise - lag sie noch bei fast 27 Prozent.

Bedroht wird der Aufschwung allerdings durch den Konflikt um die Unabhängigkeitsbestrebungen der Region Katalonien, der Investoren, Konsumenten und Touristen verunsichert. Die Regierung senkte deshalb ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr von 2,6 auf 2,3 Prozent. Wirtschaftsminister Luis de Guindos hofft trotzdem, dass zumindest noch ein Plus von 2,5 Prozent herausspringen kann. Nach der Verkündung der Unabhängigkeit Kataloniens durch das Regionalparlament am Freitag hatte die Zentralregierung umgehend die dortige Regierung abgesetzt und für den 21. Dezember Neuwahlen angesetzt. Am Montag erhob die spanische Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Mitglieder der entmachteten katalanischen Regionalregierung.




Der Kurs des Euro notierte im Vergleich zum Dollar am Dienstagmorgen noch in der Verlustzone. Die Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,1632 Dollar und damit immerhin schon wieder mehr als am Vorabend. Zuvor war der Kurs bis auf 1,1625 Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Montag auf 1,1612 (Freitag: 1,1605) Dollar festgesetzt.

Die robuste Konjunkturdaten aus Frankreich stützten den Euro am Morgen etwas. Die französische Wirtschaft blieb im dritten Quartal auf Wachstumskurs. Die bisherige Schätzung für das Vorquartal wurde sogar leicht nach oben revidiert. Im Tagesverlauf könnten noch weitere Konjunkturdaten für neue Impulse am Devisenmarkt sorgen. Für Frankreich und den Euroraum werden noch Inflationszahlen veröffentlicht. Außerdem wird es neue Daten zur Arbeitslosigkeit im Währungsraum geben. Außerdem stehen in den USA mehrere Stimmungsindikatoren sowie Zahlen zum Immobilienmarkt an.



Die Ölpreise haben sich am Dienstag im frühen Handel kaum bewegt. Am Morgen kostete ein Barrel (je 159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember 60,81Dollar. Das waren neun Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um elf Cent auf 54,04 Dollar.

An den vergangenen Handelstagen hatten sich die Ölpreise deutlich erholt. Mit 61,00 US-Dollar erreichte der Brent-Preis am Montag zwischenzeitlich ein Zweijahreshoch. Als Grund für den Auftrieb gilt die Erwartung einer Verlängerung der bestehenden Förderkürzungen wichtiger Ölstaaten wie Saudi-Arabien und Russland.