Frankreichs Präsident nennt Russland "eine der letzten Kolonialmächte"

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat Russland wegen des Ukraine-Kriegs die Haltung einer Kolonialmacht vorgeworfen. "Russland ist eine der letzten Kolonialmächte", sagte Macron bei einem Besuch im westafrikanischen Benin am Mittwoch. Unterdessen besuchte der russische Außenminister Sergei Lawrow seinerseits mehrere afrikanische Länder und machte den Westen für die Lebensmittelkrise verantwortlich.

Russland habe einen "Territorialkrieg" wie im 19. Jahrhundert angezettelt, mit dem in Europa niemand mehr gerechnet habe, sagte Macron mit Blick auf den russischen Einmarsch in der Ukraine.

Die koloniale Haltung Russlands habe sich gezeigt, als das Land entschieden habe, "ein benachbartes Land zu überfallen, um seine eigenen Interessen zu vertreten", erklärte er. "Und das sage ich auf einem Kontinent, der koloniales Machtstreben erlitten hat", sagte Macron in Anspielung auf die koloniale Vergangenheit vieler afrikanischer Staaten.

Lawrow hingegen bestritt die Verantwortung Russlands für die in Afrika besonders spürbare Lebensmittelkrise. "Das hat nichts mit dem russischen Einsatz in der Ukraine zu tun, sondern mit der unangemessenen Reaktion des Westens, der Sanktionen verhängt und den Lebensmittelmarkt destabilisiert", sagte Lawrow bei einem Empfang für afrikanische Diplomaten in der russischen Botschaft in Addis Abeba.

Er warnte die afrikanischen Länder, dass sie eines Tages selber Opfer solcher Sanktionen werden könnten. "Sie (die westlichen Länder) würden nicht zögern, dasselbe mit anderen Staaten zu tun, (...) die ihnen auf die Nerven gehen", sagte Lawrow, der auch Ägypten, Kongo-Brazzaville und Uganda besucht hat.

Macron war am Montag in Kamerun eingetroffen, wo er mit dem seit 40 Jahren regierenden Präsidenten Paul Biya zusammengetroffen war. Er will nach Benin noch Guinea-Bissau besuchen. Die Afrika-Reise steht auch im Zeichen einer erneuerten Partnerschaft Frankreichs mit dem afrikanischen Kontinent, wo die einstige Kolonialmacht Frankreich den wachsenden Einfluss von Russland und China mit Sorge beobachtet.

kol/cp

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