Frankreichs neuer Innenminister verteidigt Polizei gegen Gewalt-Vorwürfe

Protest gegen Polizeigewalt in Frankreich

Der neue französische Innenminister Gérald Darmanin hat die Polizei seines Landes gegen den generellen Vorwurf exzessiver Gewaltanwendung in Schutz genommen. Die Polizei wende "legitime Gewalt" an, sagte Darmanin am Dienstag in einer Anhörung in der Nationalversammlung. "Wenn ich das Wort 'Polizeigewalt' höre, muss ich persönlich würgen", betonte der Minister.

Darmanin unterstrich zugleich, dass die Polizei Gewalt in "verhältnismäßiger" und "kontrollierter" Weise anwenden müsse. Wenn einige Beamte die "Grenzen der professionellen Ethik" überschritten, müssten sie "unverzüglich" bestraft werden.

Darmanins Verwendung des Verbs "würgen" in der Anhörung wurde von Kritikern in den Onlinenetzwerken angeprangert - weil es derzeit in Frankreich eine heftige Debatte um die Anwendung des Würgegriffs durch die Polizei gibt.

Darmanins Amtsvorgänger Christophe Castaner hatte unter dem Druck der Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt zugesagt, "exzessive" Methoden wie den Würgegriff bei Festnahmen zu verbieten. Castaner zog diese Ankündigung aber zurück, nachdem auch Polizisten demonstriert hatten.

Der neue Innenminister Darmanin ist hochumstritten. Die französische Justiz ermittelt gegen ihn, weil ihm eine frühere Prostituierte vorwirft, sie im Jahr 2009 vergewaltigt zu haben. Feministinnen fordern deshalb Darmanins Abberufung.