Frankreichs Ex-Premier Fillon verteidigt in Berufungsprozess die Arbeit seiner Frau

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François Fillon Mitte November vor Gericht (AFP/Thomas COEX)

Frankreichs früherer Premierminister und Ex-Präsidentschaftskandidat François Fillon hat im Berufungsprozess um die mutmaßliche Scheinarbeit seiner Frau deren Einsatz als "sehr wichtig" verteidigt. "Penelope hat für meine Verankerung in meinem Wahlkreis gearbeitet", sagte Fillon vor Gericht am Montag in Paris. "Ich hatte sie damit beauftragt, vor Ort präsent zu sein (...) und persönliche Beziehungen zu knüpfen", erläuterte er.

Der ehemalige konservative Politiker war in erster Instanz wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, davon drei auf Bewährung. Der Fall hatte 2017 für ein politisches Erdbeben in Frankreich gesorgt.

Seine Frau habe auch seine Reden gelesen, ihn bei Einladungen vertreten und die Post sortiert, sagte Fillon. Er betonte, dass es zu seiner Zeit gängige Praxis war, Familienmitglieder als parlamentarische Assistenten anzustellen.

Penelope Fillon hatte in dieser Funktion zwischen 1998 und 2013 insgesamt 612.000 Euro netto verdient. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte sie jedoch lediglich die "gesellschaftliche Rolle" der "Ehefrau eines Politikers" eingenommen. Für ihr Gehalt habe sie in erster Linie "fiktive oder überbewertete" Arbeit geleistet.

Fillon hatte zudem als Senator zwischen 2005 und 2007 zwei der fünf gemeinsamen Kinder als Mitarbeiter angestellt. Seine Frau hatte zusätzlich einen lukrativen Vertrag als "literarische Beraterin" eines befreundeten Geschäftsmannes.

Die Enthüllungen der Investigativ- und Satirezeitung "Canard Enchaîné" ebneten den Weg für den Überraschungssieg von Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl 2017. Bis zum Bekanntwerden der Vorwürfe galt Fillon als Favorit, danach musste er seine Kandidatur aufgeben. Er war von 2007 bis 2012 Premierminister unter Präsident Nicolas Sarkozy.

kol/noe

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