Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy vorläufig festgenommen


Nicolas Sarkozy ist seit Dienstagmorgen in Nanterre bei Paris in vorübergehendem Polizeigewahrsam. Der französische Ex-Präsident muss über seine Wahlkampagne im Jahre 2007 aussagen, die er gewonnen hatte. Die vorläufige Festnahme kann maximal 48 Stunden dauern.

Die Justiz vermutet, dass er den Wahlkampf teilweise illegal finanziert haben könnte. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, könnte Sarkozy angeklagt werden.

Seit Jahren steht der Verdacht im Raum, dass „Speedy Sarko“ sich finanziell ausgerechnet vom damaligen libyschen Diktator Muammar al Gadaffi hatte aushelfen lassen. Bereits 2011 veröffentlichte das Investigativ-Portal Mediapart entsprechende Nachforschungen.

Der Ursprung liege in einem gescheiterten Waffengeschäft mit Saudi Arabien, in das Sarkozy noch als Innenminister unter Jacques Chirac viel Zeit investiert hatte. Chirac stoppte den Deal wegen des Verdachts, es könne Schmiergelder geben.

In die Anbahnung des Geschäfts verwickelt war der Geschäftsmann Ziad Takieddine. Der soll 2005/06 den Kontakt zwischen Sarkozy und Gadaffi hergestellt haben, wie er selber später ausgesagt hat. Insgesamt sollen die Libyer rund fünf Millionen Euro ausgegeben haben, um Sarkozy zu unterstützen. Der habe im Gegenzug unter anderem versprochen, als Präsident einen wegen des Anschlags auf eine Linienmaschine verurteilten Libyer zu rehabilitieren.

Bei einer Reise Sarkozys nach Libyen und den Gesprächen mit dem „Führer der Revolution“ war eine Dolmetscherin anwesend, die Sarkozy belasten könnte. Bislang soll sie ausgewichen sein: „Wenn ich anfange zu reden, hört das nie mehr auf.“

Kaum nachdem Sarkozy 2007 Präsident geworden war, empfing er Gadaffi mit großem Pomp im Elysée-Palast. Der Diktator konnte sogar in einem Teil der weitläufigen Anlage sein Zelt aufschlagen. Sarkozy entwickelte große Projekte für die Zusammenarbeit bis hin zum Bau von Atomkraftwerken. Sehr lange währte die Freundschaft nicht: 2011, nach Ausbruch des Bürgerkrieges in Libyen, ließ Sarkozy die Truppen Gadaffis bombardieren.

Gegen den konservativen Ex-Präsidenten laufen zwei weitere Verfahren: eines wegen vermuteter illegaler Wahlkampffinanzierung 2012 und eines wegen Bestechung.