Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy weiter in Polizeigewahrsam

Der wegen Ermittlungen zu illegalen libyschen Wahlkampfspenden vernommene französische Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ist aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch aus informierten Kreisen

In der Affäre um illegale libysche Wahlkampfspenden ist der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy den zweiten Tag in Folge vernommen worden. Er blieb dafür am Mittwoch vorerst weiter in Polizeigewahrsam, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen erfuhr. Aus dem rechten politischen Lager wurde Kritik am Vorgehen der Justiz laut.

Die Anti-Korruptions-Ermittler befragten Sarkozy weiter in der Dienststelle in Nanterre westlich von Paris, wo er bereits am Dienstag vernommen worden war. Die Nacht auf Mittwoch konnte er unter polizeilichen Auflagen zu Hause verbringen.

Der Ex-Staatschef kann bis zu 48 Stunden lang in Polizeigewahrsam gehalten werden. Bis spätestens Donnerstagmorgen muss er einem Richter vorgeführt oder freigelassen werden.

Sein ehemaliger Innenminister Brice Hortefeux wurde ebenfalls weiter befragt. Im Kurzbotschaftendienst Twitter erklärte er, seine Aussagen dienten dazu, "eine Folge von Irrtümern und Lügen zu beenden".

Konkret geht es um den Verdacht, der frühere libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi habe 2007 Sarkozys erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampf mitfinanziert. Dabei sollen bis zu 50 Millionen Euro geflossen sein. Es ist das erste Mal, dass der frühere Staatschef zu den Vorwürfen befragt wird. Untersuchungsrichter gehen dem Verdacht bereits seit April 2013 nach.

Die 2007 bei der Präsidentschaftswahl unterlegene Sozialistin Ségolène Royal sagte, sie erhoffe sich von den Befragungen Aufklärung. Die Bürger hätten ein Recht "zu wissen, ob der Kampf mit gleichen Waffen stattfand".

Im rechten politischen Lager wurde dagegen Kritik an der Justiz laut. Der frühere Premierminister Jean-Pierre Raffarin von Sarkozys Partei Die Republikaner bedauerte das "Spektakel" um den früheren Präsidenten. Die Justiz erwecke den Eindruck, sie wolle gewisse Verdächtige "demütigen".

Die Chefin der rechtspopulistischen Front National (FN), Marine Le Pen, zog die Neutralität von Untersuchungsrichter Serge Tournaire in Zweifel und rief die Justiz zu "ernsthaften" Ermittlungen auf.

Gegen Le Pen ermittelt die Justiz ebenfalls, unter anderem wegen mutmaßlichen Betrugs bei der Finanzierung von Wahlkämpfen sowie der Scheinbeschäftigung von FN-Mitarbeitern auf Kosten des Europaparlaments.