Frankreich will Verzicht auf Passierschein - weiter Beschränkungen

PARIS (dpa-AFX) - Bei der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen will Frankreich vom 11. Mai an auf die bisher obligatorischen Passierscheine verzichten. "Es wird wieder möglich sein, ohne Bescheinigung frei zu reisen - mit Ausnahme von Fahrten mehr als 100 Kilometer von zu Hause entfernt", sagte Premierminister Édouard Philippe am Dienstag in der Nationalversammlung in Paris. Solche Reisen sind nur erlaubt, wenn es wegen Familie oder Beruf einen zwingenden Grund gibt.

Philippe warnte gleichzeitig, dass die Ausgangsbeschränkungen beibehalten würden, wenn das Land bis zum 11. Mai nicht für eine Lockerung bereit sei. Auch sonst bleibt das öffentliche Leben stark eingeschränkt. "Das ist nicht die Zeit, sein Département zu verlassen, um über das Wochenende wegzufahren", betonte der Premier. Generell müssten Versammlungen vermieden werden. Künftig sind sie auf zehn Personen beschränkt, auch in Privaträumen. Vor September sollen keine Veranstaltungen mit mehr als 5000 Teilnehmern stattfinden.

Mit Blick auf die Wiederöffnung der Schulen sagte Philippe: "Die Rückkehr unserer Kinder ist ein Gebot der Bildung und der sozialen Gerechtigkeit." Die Regierung schlage eine sehr schrittweise Öffnung von Kindergärten, Krippen und Grundschulen vom 11. Mai an auf freiwilliger Basis vor. Die Sekundarstufe könnte folgen. Über die Rückkehr der obersten Klassen soll Anfang Juni entschieden werden.

Die Ausgangsbeschränkungen im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie sind in Frankreich deutlich strenger als in Nachbarländern wie Deutschland. Die Vorschriften gelten seit dem 17. März. Man braucht einen Passierschein für das Verlassen von Haus oder Wohnung. Erlaubt sind Einkaufen, Gassigehen mit dem Hund oder Unterstützung von hilfsbedürftigen Menschen. Spazieren gehen oder Sport sind strikt begrenzt. Frankreich ist von der Pandemie hart getroffen. Es zählt weit mehr als 23 000 Tote.