Frankreich will Streit um Flüchtlingszählung beilegen

"Stoppt Abschiebungen. Asylrecht für alle" - ein Banner in Marseille

Im Streit um eine Zählung von Flüchtlingen will die französische Regierung Hilfsorganisationen besänftigen: Premierminister Edouard Philippe bot den Organisationen am Donnerstagabend nach einem Treffen in Paris gemeinsame Beratungen für den 11. Januar an. Das Innenministerium will erstmals alle Flüchtlinge in den Notunterkünften des Landes erfassen.

Hilfsorganisationen wie Médecins sans frontières (Ärzte ohne Grenzen), die Caritas und Emmaüs befürchten, dass damit Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis aufgespürt und abgeschoben werden sollen. Entsprechend skeptisch zeigten sie sich nach Philippes Ankündigung: Das erste Treffen habe "nichts" ergeben, hieß es von Seiten der Helfer.

Die Regierung schätzt, dass sich in den französischen Notunterkünften rund 100.000 Menschen aufhalten, rund 4000 davon im Großraum Paris. Einige sollen nach Angaben der Einwanderungsbehörde Ofii bereits seit Jahren in den Unterkünften leben, insbesondere Familien mit Kindern. Die Regierung betont, es gehe nicht um eine schnelle Abschiebung. Vielmehr gehe es um eine "bessere Unterbringung" von Asylbewerbern.

Auch in den Reihen der Regierungspartei La République en Marche von Präsident Emmanuel Macron ist die Maßnahme umstritten. Macron hatte kürzlich ein härteres Vorgehen gegen "illegale" Einwanderer und beschleunigte Abschiebeprozeduren angekündigt.