Frankreich verzichtet auf das Schließen von Schulklassen bei Corona-Fällen

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Lehrerin in einer Klasse (AFP/Patrick KOVARIK)

Angesichts massiv steigender Infektionszahlen verzichtet Frankreich künftig auf das Schließen ganzer Schulklassen bei einzelnen Corona-Fällen. Das Bildungsministerium veröffentlichte die neuen Regeln am Sonntagabend wenige Stunden vor dem Schulstart nach den Weihnachtsferien. Zugleich gelten in Frankreich seit Montag verschärfte Corona-Vorschriften, etwa zum Tragen von Masken und zur Heimarbeit. Die Nationalversammlung debattiert ein Gesetz, das den Impfdruck erhöhen soll.

Im Fall eines positiven Schülers muss künftig die gesamte Klasse getestet werden. Schüler mit negativem Testergebnis dürfen in die Klasse zurückkehren und müssen in den folgenden Tagen zwei weitere Selbsttests machen. Die bisherige Regel, dass eine Klasse ab drei Corona-Fällen geschlossen wird, gilt nicht mehr. Vor Beginn der Weihnachtsferien waren landesweit mehr als 3000 Klassen geschlossen.

In Frankreich liegt die Corona-Inzidenz inzwischen landesweit bei mehr als 1500 Fällen pro 100.000 Einwohner in einer Wochen. Der Wissenschaftsrat hatte während der Ferien gewarnt, dass bis zu einem Drittel der Lehrkräfte bis Ende Januar infiziert oder Kontaktperson von Infizierten sein könnte.

Auch jenseits der Schulen wurden die Quarantäne-Regeln in Frankreich deutlich gelockert. Vollständig geimpfte Corona-Infizierte müssen sich unabhängig von der Variante für sieben Tage isolieren. Sie können sich nach fünf Tagen durch einen negativen Antigen- oder PCR-Test freitesten. Für vollständig geimpfte Kontaktpersonen wurde die Pflicht zur Quarantäne aufgehoben.

Verschärft wurde hingegen die Pflicht zum Homeoffice. Wer seiner Arbeit auch von zu Hause aus nachgehen kann, muss dies an mindestens drei Tagen in der Woche tun.

In Paris und anderen Städten gilt wieder eine Maskenpflicht im Freien. In öffentlichen Transportmitteln und Geschäften müssen nun auch Kinder ab sechs Jahren Mund und Nase bedecken, bisher lag die Altersgrenze bei elf Jahren. In Zügen ist Essen und Trinken offiziell verboten, aber das Bahnunternehmen SNCF kündigte bereits an, auf langen Strecken und bei Kindern Nachsicht walten zu lassen.

Die neuen Regeln betreffen auch die französische Institution des Kaffeetrinkens an der Bar. Wer Kaffee trinken möchte, muss fortan einen Sitzplatz haben (und den Kaffee entsprechend teurer bezahlen).

Unterdessen befasst sich die Nationalversammlung mit dem bereits zwölften Gesetzentwurf zum Umgang mit der Pandemie. Der bisher geltende Gesundheitspass soll in einen Impfpass umgewandelt werden; dies entspricht dem Übergang von der 3G- zur 2G-Regel. Für den Besuch vieler öffentlicher Orte wird ein negativer Test nicht mehr ausreichen. Die Opposition hat bereits mehr als 700 Änderungsanträge eingereicht.

kol/gt

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