Frankreich stemmt sich gegen rasante Corona-Ausbreitung

Paul AUBRIAT
·Lesedauer: 2 Min.
Jean Castex

Frankreich stemmt sich gegen die rasante Ausbreitung des Coronavirus: Die Grenze zu Großbritannien bleibt "bis auf Weiteres" geschlossen, wie Premierminister Jean Castex am Donnerstag mitteilte. Zwei Cluster der zuerst im britischen Königreich entdeckten Corona-Mutation zirkulieren nun offenbar auch in Frankreich. Um die Verbreitung des Virus einzudämmen, setzt die Regierung weiter auf strikte Maßnahmen, darunter die Schließung von Bars und Restaurants bis mindestens Mitte Februar.

"Wir haben am 20. Dezember beschlossen, die Grenzen zum Vereinigten Königreich zu schließen, und diese Maßnahme wird bis auf Weiteres verlängert", sagte Castex vor Journalisten in Paris. Einreisen dürfen demnach nur Menschen mit einer besonderen Genehmigung sowie einem negativen Coronatest.

Grund für die Grenzschließung ist die zuerst in Großbritannien entdeckte ansteckendere Variante des Coronavirus. Zwei "gefährliche Cluster" dieser Mutation zirkulieren nach Angaben des französischen Gesundheitsministeriums mittlerweile auch in Frankreich. In den Regionen Bretagne und Île-de-France seien insgesamt 19 Infektionen mit der Mutation registriert worden.

Für das Cluster in der Île-de-France lasse sich keinerlei Verbindung mit Großbritannien feststellen, hieß es in der Erklärung weiter. Der Betroffene, der das Virus dort weitergegeben habe, sei nicht in Großbritannien gewesen und habe auch keinen Kontakt zu Reisenden aus dem Vereinigten Königreich gehabt. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, seien strikte Quarantänemaßnahmen ergriffen worden.

Beide Varianten sind ersten Erkenntnissen zufolge deutlich ansteckender als die bisher bekannten Virusstämme. Es gibt jedoch keine Hinweise, dass sie für den Einzelnen gefährlicher wären.

Um die rasche Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, will Castex Bars und Restaurants bis "mindestens Mitte Februar" geschlossen halten. Auch Museen, Theater und Sporteinrichtungen dürfen weiterhin nicht öffnen. Für die Betreiber von Skiliften besteht hingegen Hoffnung: Die Regierung werde am 20. Januar prüfen, ob eine schrittweise Wiedereröffnung ab Februar möglich sei, sagte Castex.

Nach einem schleppenden Start ist die Impfkampagne indessen angelaufen: In den vergangenen fünf Tagen erhielten laut Castex rund 45.000 Menschen eine erste Impfung. Gesundheitsminister Olivier Véran sagte am Donnerstag, dass die zweite Impfdosis "ohne Risiken" erst nach sechs statt drei Wochen verabreicht werden könne. Auf diese Weise könnten mehr Menschen eine erste Dosis erhalten.

Angesichts steigender Corona-Fälle hat das Robert-Koch-Institut (RKI) mittlerweile ganz Frankreich zum Risikogebiet erklärt. Bei einer Einreise nach Deutschland besteht eine zehntägige Quarantänepflicht. Entscheidend für die Einstufung ist, dass die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen bei mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner liegt.

Die französischen Behörden registrierten am Mittwoch 25.379 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Insgesamt starben landesweit 66.565 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus.

gap/noe