Frankreich, Spanien und Belgien lockern Corona-Beschränkungen

"Danke an alle Pariser" - heißt es am Eiffelturm

Frankreich, Spanien und Belgien haben ihre Corona-Beschränkungen gelockert. In Frankreich durften die Menschen am Montag erstmals seit acht Wochen ihre Häuser ohne Auflagen verlassen. Auch Geschäfte und viele Schulen öffneten wieder. In Spanien lockerten die ersten Regionen die strikte Ausgangssperre. Die Angst vor einer zweiten Infektionswelle bleibt aber real: In China und Südkorea wurden wieder steigende Infektionszahlen gemeldet.

Spanien und Frankreich gehören zu den am stärksten betroffenen Ländern in Europa. Dort starben nach offiziellen Angaben jeweils mehr als 26.000 Menschen an den Folgen des neuartigen Coronavirus. Wegen langsamerer steigender Infektions- und Todeszahlen haben beide Länder nach fast zwei Monaten nun einen ersten Schritt in Richtung Normalität gemacht.

In Frankreich durften die Menschen erstmals wieder ihre Wohnungen verlassen, ohne vorher eine Bescheinigung auszufüllen. In öffentlichen Verkehrsmitteln gilt aber eine Maskenpflicht. Die Franzosen sollen auch weiter Abstand halten und wenn möglich von zu Hause aus arbeiten. Präsident Emmanuel Macron hatte seine Landsleute am Donnerstagabend im Onlinedienst Twitter gebeten: "Retten Sie Leben - bleiben Sie vorsichtig".

Unter anderem im Großraum Paris und im Grenzgebiet zu Deutschland ist der Druck auf die Krankenhäuser aber weiter groß. Deshalb bleiben dort Kaufhäuser vorerst geschlossen. Auch weiterführende Schulen und Parks öffnen erst später. Cafés und Restaurants sind ohnehin noch geschlossen.

Viele Franzosen konnten die wiedergewonnene Freiheit daher noch nicht richtig genießen. "Es fühlt sich ein bisschen unwirklich an", sagte eine junge Frau, die vor einem Geschäft auf dem Pariser Boulevard Champs-Elysées Schlange stand. "Ich freue mich, dass ich wieder zur Arbeit kann", sagte die Kita-Köchin Fatma Chouria, die mit Maske am Bahnhof Saint-Lazare wartete. Sie fühle sich aber trotzdem "ein bisschen gestresst".

In Spanien darf in der ersten Phase der Lockerung zunächst nur die Hälfte der 47 Millionen Einwohner wieder auf die Straße. In der besonders betroffenen Hauptstadt Madrid, in Barcelona und in mehreren Provinzen bleibt die Ausgangssperre vorerst noch bestehen.

In den Städten und Provinzen, die die Voraussetzungen für die Lockerungen schon erfüllen, dürfen sich im Freundes- und Familienkreis nun wieder bis zu zehn Menschen treffen. Restaurants und Bars können ihre Terrassen wieder öffnen. "Ich habe das so vermisst. Jetzt schätzen wir diese kleinen Freuden umso mehr", sagt der 51-jährige Jesús Vázquez, der vor einer Bar im Mittelmeerort Tarragona saß. Auch kleine Geschäfte, Kirchen und Museen dürfen wieder Besucher empfangen.

In Belgien öffneten am Montag die meisten Geschäfte wieder. Restaurants, Bars und Cafés bleiben jedoch weiterhin geschlossen. In den Niederlanden waren die Grundschulen und Kitas teilweise wieder geöffnet.

In Russland war dagegen unklar, ob die für Dienstag geplanten Lockerungen wirklich in Kraft treten werden: Die Zahl der bestätigten Neuinfektionen erreichte am Montag mit 11.656 Fällen einen neuen Rekordwert.

In der chinesischen Millionenmetropole Wuhan, die der Ursprungsort der Coronavirus-Pandemie ist, meldeten die Behörden unterdessen den zweiten Tag in Folge neue Infektionen. In einem Wohnviertel, in dem bereits am Sonntag eine Ansteckung festgestellt wurde, wurden am Montag fünf Neuinfektionen bestätigt. Auch in anderen Landesteilen gibt es neue Ansteckungsherde, unter anderem in der Stadt Shulan.

In Südkorea wurden inzwischen sogar erste Lockerungen zurückgenommen, nachdem sich mindestens 86 Menschen im Ausgehviertel Itaewon in Seoul infizierten. Die Hauptstadt, die benachbarte Provinz Gyeonggi und die Stadt Incheon ordneten bereits am Wochenende die Schließung aller Clubs und Bars an. Am Montag zog auch die viertgrößte Stadt Daegu nach.