Schlimme Vorwürfe: Frankreich-Skandal weitet sich aus

Für Noël Le Graët kommt es jetzt knüppeldick!

Alles begann am Sonntagabend, als der Präsident des französischen Fußballverbandes (FFF) nach einigen sehr unglücklichen Aussagen über Zinédine Zidane bei RMC eine Welle der Entrüstung in seinem Land und der ganzen Fußballwelt ausgelöst hatte, die ihn dazu zwang, sich am Montag öffentlich zu entschuldigen.

„Ich möchte mich persönlich für diese Äußerungen entschuldigen, die weder meine Gedanken noch meine Wertschätzung für den Spieler, der er war, und den Trainer, der er geworden ist, widerspiegeln“, wurde er von der L‘Equipe zitiert. „Ich gebe zu, dass ich unangenehme Bemerkungen gemacht habe, die zu Missverständnissen geführt haben. Zidane weiß, wie sehr ich ihn schätze, wie alle Franzosen“, so Le Graët.

Zuvor hatte der 81-Jährige die Fußball-Welt in Aufruhr versetzt, sodass sich der FFF-Boss harsche Kritik von Kylian Mbappé, Franck Ribéry und selbst Real Madrid anhören musste, die allesamt der französischen Legende zur Seite gesprungen waren. (NEWS: Zidane-Wirbel erschüttert Frankreich)

Während der Zidane-Eklat bereits hohe Wellen schlug, stoßen die neuesten Enthüllungen noch in ganz anderen Sphären vor: Die Spielerberaterin Sonia Souid bezichtigt Le Graët sogar der sexuellen Nötigung!

Spielerberaterin wirft Le Graët sexuellen Missbrauch vor

In einem Interview mit L‘Équipe hat eine der einflussreichsten Fußballagentinnen im Frauenfußball ihr Schweigen gebrochen, um das unangemessene Verhalten des FFF-Präsidenten anzuprangern.

„Im September 2014 rief er (Le Graët) mich an und sagte mir, dass ich brillant sei, dass ich es geschafft habe, außergewöhnliche Dinge zu tun, und dass er mich Brigitte Henriques, der obersten Frauenfußball-Funktionärin des FFF, vorstellen möchte. Sie wolle mich in seiner Wohnung in Paris treffen“, begann Souid zu erzählen. (NEWS: Rassismus-Wirbel um Mbappé!)

Und fuhr fort: „Er sagte, er mache das regelmäßig, es sei bequemer für ihn, vertraulicher - und deshalb akzeptierte ich. Ich war 28 Jahre alt, eine junge Agentin und er der FFF-Boss. Er hätte Respekt haben müssen. Aber er hat mich nie als Agentin betrachtet, sondern als eine Süßigkeit. Um es vulgär auszudrücken, er sah mich an wie zwei Brüste und einen Arsch.“

Doch das war noch nicht alles, denn es wurde noch unangenehmer: „Als ich ankam, sah ich schon zwei volle Sektgläser. Ich wartete erstmal auf Brigitte Henriques, aber sie kam nicht - und er fügte nur hinzu: ‚Wissen Sie, wir brauchen sie nicht. Wenn wir beide nah genug beieinander sind, kann ich deine Ideen wahr werden lassen‘ - Ich habe die Gläser nicht einmal angefasst, ich hatte Angst, dass da etwas drin sein könnte. Man hört so viele Geschichten“, verriet Souid.

Den Vorwurf des angeblichen sexuellen Missbrauchs, der von der FFF vertuscht werde, kann die Spielerberaterin mit zahlreichen, kompromittierenden Nachrichten belegen. (DATEN: Die Tabelle der Ligue 1)

Sprach- und Textnachrichten belegen Souids Vorwürfe

„Er schrieb mir: ‚Ich vermisse dich‘ - und wollte mich zu Spielen einladen. Ausreden, um mich zu sehen. Als ich mal bei ihm zu Hause war, machte er mir klar, dass er möchte, dass ich in seinem Bett lande“, sagte die französische Agentin.

Beim französischen Fernsehsender BFMTV versuchte Souid zudem das besagte Treffen mit Le Graët, das beruflich war, sich aber zu einem offensichtlichen Flirt seitens des FFF-Bosses entwickelte, zu erklären:

„Es war ein gewaltiger Schlag ins Gesicht, dass mich mein Verbandspräsident - obwohl ich mich kompetent und legitimiert fühle und es geschafft habe, im Fußball etwas erreicht zu haben - als zwei Titten und einen Arsch sieht. Ich bin von meinem Präsidenten sehr enttäuscht. Für mich sollte er ein Vorbild sein und das war er nicht“, sagte sie unter Tränen. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Ligue 1)

„Er sieht sich als Verführer und unwiderstehlich. Ein sehr selbstbewusster Mensch, der glaubt, dass alles erlaubt ist. Wenn man ihn sprechen hört, erweckt er den Eindruck, dass er der König ist und dass die französische Föderation (FFF) sein Reich ist. Aber wo bleiben wir?“, nahm Souid kein Blatt vor den Mund.

Sie verwies auf zahlreiche Sprachnachrichten und einige Text-Nachrichten, die ihre Vorwürfe untermauern. Unter anderem folgende: „'Bist du morgen Abend verfügbar? Ich bestehe darauf!‘“

Medien: FFF-Präsident soll mehrere Frauen belästigt haben

Und 2017 kam diese Nachricht: „'Sonia, ich habe meine dritte Flasche geleert, ich warte auf dich bei der vierten...‘. Wenn ich das höre, werde ich wütend, weil es respektlos ist. Er möchte, dass ich nach der dritten Flasche zu ihm komme. Für eine Frau, die sich alles selbst aufbaut, die ihren Weg in diesem Beruf gehen will, ist das extrem verletzend“, so Soiud.

Laut So Foot soll die französische Spielerberaterin aber nicht die einzige Frau gewesen sein, die von Le Graët offenbar belästigt wurde. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Ligue 1)

Dem Enthüllungsbericht zufolge behauptet eine ehemalige FFF-Mitarbeiterin: „Es ist ganz einfach, er springt auf alles, was sich bewegt“. Mehrere Frauen erhielten Textnachrichten, die von „Komm heute Abend zum Essen zu mir“ bis hin zu „Ich bevorzuge Blondinen, also wenn du Lust hast...“ reichten. Deshalb hätten danach auch viele Frauen ihren Job beim Fußballverband aufgegeben, heißt es weiter.

Zu den neuesten Vorwürfen hat sich FFF-Präsident Le Graët bislang nicht geäußert. Doch der Aufschrei in den französischen Medien ist groß!