Franken-Händler könnten mit Wetten gegen SNB diesmal gewinnen

Catherine Bosley und William Shaw
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Franken-Händler könnten mit Wetten gegen SNB diesmal gewinnen

(Bloomberg) -- Die Schweizerische Nationalbank hat zwar Milliarden eingesetzt hat, um den Anstieg des Franken zu bremsen. Aber die Händler, die die eidgenössische Währung in Richtung Parität mit dem Euro treiben, könnten diesmal die Oberhand haben.

Angesichts der Rezession der Weltwirtschaft und des Risikos einer neuen Schuldenkrise im Euroraum hat die Schweizer Währung - ein beliebter sicherer Hafen - in diesem Jahr bereits die Marke von 1,05 pro Euro fast durchbrochen.

Sogar ein deutsch-französisches Abkommen für ein Hilfspaket der Europäischen Union konnte die Optionswetten nicht torpedieren. Diese signalisieren, dass das Währungspaar bald zum ersten Mal seit 2015 die Parität erreicht.

Die Schweizer Notenbank hat seit Jahren Probleme, die Währung unter Kontrolle zu halten. Seit 2009 haben die eidgenössischen Währungshüter über 440 Milliarden Franken (414 Milliarden Euro) in den Devisenmarkt gepumpt. Dennoch stieg die Währung des Landes in einem Jahrzehnt um etwa 30%, angeheizt durch wiederkehrende Ängste, der Euroraum könne auseinanderbrechen und das globalen Wachstum gebremst werden.

Die Befürchtungen, wie stark das Coronavirus die Volkswirtschaften weltweit beeinträchtigen wird, reihen sich in eine lange Liste von Gründen ein, warum die Nachfrage nach dem Franken hoch ist. Der Franken ist ein Zufluchtsort, denn die neutrale Schweiz mit ihren Banken, ihrer Rechtsstaatlichkeit und ihrer politischen Stabilität gilt seit Jahrzehnten als einer der sichersten Orte für die Reichen der Welt, um ihr Geld zu parken.

Runde Zahlen

Es gab Marktspekulationen darüber, dass die SNB-Verantwortlichen ein neues Wechselkursziel im Auge haben, das sie bis aufs Äußerste verteidigen werden. Einige Anleger konzentrieren sich auf 1,05 pro Euro, nachdem frühere Schwellenwerte wie 1,12 und 1,08 durchbrochen wurden. Strategen warnen, dass diese Auslöser größtenteils fiktiv sind, was bedeutet, dass der Ansturm auf die Parität schneller als erwartet verlaufen könnte.

“Märkte mögen nichts mehr als über runde Zahlen zu sprechen, und zwar so sehr, dass es ein sich selbst verstärkender Prozess werden kann”, sagte Jeremy Stretch, Leiter der G10-Devisenanalyse bei der Canadian Imperial Bank of Commerce in London. „Macht sich die SNB wirklich explizit Gedanken um diese Zahl? Wahrscheinlich nicht.”

Sollte der Franken 1,05 pro Euro durchbrechen, könnte er laut Stretch „leicht“ in Richtung 1,02 pro Euro gehen. Bisher hat sich der Franken in diesem Jahr gegenüber dem Dollar besser als alle Vergleichswährungen in der G10-Gruppe entwickelt, mit Ausnahme des japanischen Yen, einem anderen sicheren Hafen.

Was interessiert die SNB?

Die SNB sagt, sie peile nicht Zielwerte an, sondern betrachte die gesamte Währungssituation.

Wenn der Franken rein den Markteinflüssen überlassen wäre, dürfte er rasch noch oben schnellen, was Schweizer Waren im Ausland verteuern und möglicherweise dazu führen würde, dass Hersteller Aufträge verlieren und Banken an Rentabilität einbüßen.

Die Rhetorik hat sich geändert

SNB-Präsident Thomas Jordan und seine Kollegen geben nur wenige Details preis, ob sie am Devisenmarkt aktiv waren. Wöchentliche Daten deuten auf den Umfang der Aktivitäten hin, aber der einzige harte Beweis ist die im Jahresbericht ausgewiesene Summe an Geldern, die für Interventionen ausgegeben wurden.

Aber statt die Aufwärtsbewegung des Frankens insgesamt aufzuhalten, scheint sich der Ansatz der SNB geändert zu haben. Während früher gesagt wurde, dass die Währung im Zeitverlauf schwächer werden würde, wurde diese Wortwahl vor einigen Jahren aufgegeben.

“Ihre Vorgehensweise ist jetzt eine der Schadensbegrenzung - die Aufwertung des Frankens zu verlangsamen, anstatt eine Stoppmarke zu setzen”, sagte Kamal Sharma, Direktor der G10-Devisenstrategie bei Bank of America.

Indes versuchen die Banken die Auslöser auszumachen, die den Franken gegenüber der Gemeinschaftswährung nach oben treiben können. Ein Schlüsselfaktor sind zusätzliche Belastungen der Finanzen hoch verschuldeter Staaten wie Italien, die durch das Versprechen einer EU-unterstützten Finanzierung gemildert werden können.

Zum Jahresanfang waren Investoren pessimistisch bezüglich der Aussichten des Euro gegenüber dem Franken, und das hat sich mit der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus noch erheblich verstärkt. Mittlerweile nimmt die Nachfrage nach Absicherungen gegen weitere Schwankungen des Frankens gegenüber dem Dollar zu.

Die SNB kann nicht viel gegen die “Tendenz der Währung tun, bis die EZB mit einer Straffung beginnt - und das ist Lichtjahre entfernt”, sagte Kenneth Broux, Stratege bei Société Générale SA in London. “Es würde schon eine zweite Welle von Covid-19 nach dem Sommer reichen, und wir könnten bis zum Jahresende näher an die Parität mit dem Euro heranrücken.”

Überschrift des Artikels im Original:Swiss Franc Traders Betting Against House May Win This Time (1)

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