Franco Morbidelli jetzt im WM-Kampf: "Ich hatte Dynamit zum Frühstück"

Gerald Dirnbeck
·Lesedauer: 4 Min.

Zum zweiten Mal jubelte Franco Morbidelli bei der Siegerehrung von der höchsten Stufe. Ähnlich wie bei seinem Premierensieg in Misano 1 kontrollierte und dominierte der Italiener das zweite Rennen im MotorLand Aragon (Spanien).

Lediglich nach dem Start hatte er in den ersten Kurven Takaaki Nakagami vor sich, doch der Honda-Fahrer stürzte noch in der ersten Runde. Von diesem Moment an lag Morbidelli unangefochten an der Spitze und ließ Verfolger Alex Rins nicht den Hauch einer Chance.

"Ich hatte Dynamit zum Frühstück", lacht Morbidelli, als er nach den Gründen für seine souveräne Vorstellung gefragt wird. Neben seinem Petronas-Yamaha-Teamkollegen Fabio Quartararo ist Morbidelli der einzige Fahrer, der in der MotoGP-Saison 2020 mehr als ein Rennen gewonnen hat.

Neuer Dämpfer und Detailarbeit zahlt sich aus

"Ich fühlte mich heute großartig. Das Gefühl für das Motorrad war unglaublich. Bei der Reifenwahl haben wir etwas gepokert, weil wir wussten, dass wir etwas probieren mussten. Wir haben uns für den Medium-Vorderreifen entschieden. Das hat sich ausgezahlt."

Der Italiener bedankt sich bei seinem Team und widmet ihnen den Sieg

Der Italiener bedankt sich bei seinem Team und widmet ihnen den Sieg<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Der Italiener bedankt sich bei seinem Team und widmet ihnen den SiegMotorsport Images

Motorsport Images

"Im Rennen hat der Reifen sehr gut funktioniert und ich fühlte mich mit meinem Paket großartig. Diesen Sieg widme ich dem Team, weil sie sehr gut gearbeitet haben. Gestern haben sie bis spät am Abend an der besten Abstimmung gearbeitet. Ich wusste, dass wir alles oder nichts geben mussten."

Morbidelli fuhr diesmal mit dem neuen hinteren Stoßdämpfer von Öhlins: "Es scheint, dass wir damit mehr Grip in Schräglage haben. Das hat am vergangenen Wochenende gefehlt. Wir konnten die Abstimmung auch sehr schnell auf diesen anderen Dämpfer einstellen."

Dass sein Team rund um Crew-Chief Ramon Forcada das Set-up rund um diesen neuen Stoßdämpfer rasch optimieren konnte, war der Schlüssel zum Sieg. Bemerkenswert ist auch, dass das zweite Rennen um einige Sekunden schneller war.

Rennen deutlich schneller als vor sieben Tagen

Morbidelli steigerte sich im Vergleich zum vergangenen Sonntag um elf Sekunden: "Wir sind im Training viele Runden mit gebrauchtem Reifen gefahren und haben dafür am Set-up gearbeitet. Das hat sich ausgezahlt. Außerdem haben wir eine andere Reifenwahl getroffen."

Im Rennen hatte Alex Rins nie die Chance auf einen Angriff

Im Rennen hatte Alex Rins nie die Chance auf einen Angriff<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Im Rennen hatte Alex Rins nie die Chance auf einen AngriffMotorsport Images

Motorsport Images

Rins sah 23 Runden lang den Hinterreifen der Yamaha. Es reichte für den Sieger vom ersten Aragon-Rennen nicht für einen einzigen Angriff. "Franco war am Kurvenausgang etwas stärker", nennt Rins den Unterschied.

"In Kurve 7 konnte er das Motorrad früher aufstellen als ich. In den Kurven 9 und 10 war er schneller. Sie verwenden auf der Geraden auch das System, um das Heck abzusenken. Bei der Beschleunigung und auf der Geraden war er schneller."

Yamaha drückte das Heck nur am Ausgang von Kurve 15 für die lange Gerade zusammen. Suzuki hat dieses System noch nicht verbaut, sondern kann es lediglich für den Start einsetzen. Details, die schlussendlich den Unterschied ausgemacht haben.

Morbidelli nun mit Chance auf WM-Titel

Mit seinem zweiten Saisonsieg rückte Morbidelli in der WM auf den vierten Platz nach vor. Bei drei noch ausstehenden Rennen ist er in Schlagdistanz. "Jetzt sind wir wieder im Spiel dabei und haben nur 25 Punkte Rückstand. In Valencia und Portimao müssen wir genauso aggressiv sein wie heute."

"Ich fühle mich großartig und will volle Attacke machen. Es hängt natürlich nicht nur an uns, aber unsere Einstellung lautet volle Attacke. Zu Saisonbeginn habe ich keine Prognosen abgegeben. Ich wollte alles geben und dann sehen, wo ich stehe."

Nach dem frühen Crash von Nakagami hatte Morbidelli alles im Griff

Nach dem frühen Crash von Nakagami hatte Morbidelli alles im Griff<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Nach dem frühen Crash von Nakagami hatte Morbidelli alles im GriffMotorsport Images

Motorsport Images

Gerechnet hat er nicht damit, aber die Freude überwiegt natürlich: "Wenn man so spät in der Saison WM-Vierter ist, dann ist das alleine schon großartig. Das ist MotoGP. Davon habe ich immer geträumt - als Kind, aber auch vor einem und vor zwei Jahren."

Yamaha hat drei Fahrer im WM-Kampf. Quartararo hat 14 Punkte Rückstand, Maverick Vinales 19 und Morbidelli nun 25. Sollte sich Yamaha auf einen Fahrer konzentrieren, um Suzuki-Speerspitze Joan Mir bestmöglich unter Druck zu setzen?

"Das ist sehr lustig, denn am Samstag war ich nicht Teil des WM-Kampfes und jetzt bin ich dabei", lacht Morbidelli. "Ich denke, wir sollten uns alle darauf konzentrieren, unser Bestes zu geben. Ich konzentriere mich auf mich. Die anderen beiden Jungs sollten sich auf sich konzentrieren. Yamaha sollte uns drei bestmöglich unterstützen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.