"Schlimmer als Henry": Nordiren wettern nach Elfer-Geschenk

Ein vermeintliches Handspiel von Corry Evans bescherte der Schweiz den Sieg in Nordirland

Dank eines umstrittenen Handelfmeters hat sich die Schweiz eine gute Ausgangsposition für die Teilnahme an der WM verschafft.

Im Playoff-Hinspiel setzte sich die Mannschaft von Vladimir Petkovic mit 1:0 (0:0) in Nordirland durch. Den Siegtreffer erzielte der Ex-Wolfsburger Ricardo Rodriguez (58.) per Handelfmeter.

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Zuvor entschied der rumänische Schiedsrichter Ovidiu Hategan auf Strafstoß, nachdem Corry Evans einen Schuss von Xherdan Shaqiri geblockt hatte.

Dem Verteidiger prallte der Ball dabei allerdings aus kürzester Distanz an den Körper und den angelegten Arm. Evans sah zudem die Gelbe Karte und fehlt nun im Rückspiel am Sonntag, 12. November gesperrt.

Nordiren schimpfen - Vergleich mit Henry

"Ich bin geschockt von der Entscheidung und geschockt von der Gelben Karte", sagte Nordirlands Coach Michael O'Neill bei Sky Sports: "Der Ball trifft ihn mehr am Rücken. Ich dachte, der Schiedsrichter hat wegen eines Fouls oder wegen einer Abseitsstellung gepfiffen. Niemand hat sich beschwert. Der Schiedsrichter hat uns keinen Gefallen getan."

Corry Evans' Bruder Jonny war ebenfalls empört und verglich die Aktion mit dem fast schon legendären Handspiel Thierry Henrys. Der französische Stürmer hatte im Playoff-Duell mit Irland im Jahr 2009 vor dem entscheidenden Tor von William Gallas den Ball klar mit der Hand mitgenommen. Die Pfeife des Schiedsrichter blieb stumm, Frankreich fuhr zur WM.

"Es war eine schlimmere Entscheidung als bei Henry, weil der Schiedsrichter gepfiffen hat, obwohl nichts war," sagte Evans. Trainer O'Neill erklärte, er habe noch nie eine schlechtere Entscheidung in einem Spiel, in dem er dabei war, gesehen. "Ich will nicht sagen, dass der Schiedsrichter inkompetent ist. Aber es ist einfach niederschmetternd, dass in der heutigen Zeit wenn es um so viel geht so etwas spielentscheidend ist", so O'Neill.

Shaqiri wollte sich in der Situation nicht festlegen. "Ich weiß nicht, ob es ein Elfmeter war oder nicht", sagte der frühere Bayern-Profi. "Ich versuche, aufs Tor zu schießen und ich weiß nicht, ob er ihn mit seiner Hand berührt hat oder nicht. Schließlich hat der Schiedsrichter den Elfmeter gegeben. So ist Fußball."


Schweiz spricht von "Katzensprung"

Die Schweizer wähnen sich bereits "mit einem Fuß bei der WM. 2727 km Luftlinie sind's von Belfast nach Moskau. Für die Schweiz fast ein Katzensprung", schrieb die Boulevard-Zeitung Blick vor dem Rückspiel am Sonntag in Basel.

Rodriguez habe einen Penalty verwandelt, "von dem viele nicht verstanden hatten, warum er dem Schweizer Fußballnationalteam überhaupt zugesprochen worden war", meinte die Neue Zürcher Zeitung (NZZ). "Schiri schenkt Nati 1:0-Sieg", titelte auch der Blick. Für die britischen Medien war die Entscheidung dagegen "skandalös". Rodriguez war's egal. "Da musst du einfach eiskalt sein, und das war ich", sagte der Torschütze und fügte mit Blick auf Sonntag an: "Jetzt müssen sie kommen und aufmachen, und wir müssen in Basel hinten alles zumachen."

Schon vor der Pause war die Schweiz die klar bessere Mannschaft. Mit Torhüter Yann Sommer und Denis Zakaria (beide Borussia Mönchengladbach) sowie Steven Zuber (TSG Hoffenheim) in der Startelf zeigten sich die Eidgenossen unbeeindruckt von der hitzigen Atmosphäre.

Der ehemalige Gladbacher Granit Xhaka (10.) und der Ex-Frankfurter Haris Seferovic (18.) vergaben aber beste Chancen.

Wenige Sekunden nach der Pause verfehlte zunächst ein Schuss des Ex-Münchners Shaqiri (46.) das Ziel nur knapp. Erst der fragwürdige Elfmeter brachte die längst überfällige Führung.

Nordirlands Offensive kommt zu spät

Die Nordiren, in der Gruppenphase zweimal von Deutschland bezwungen, wachten im Kampf um die erste WM-Teilnahme seit 1986 zu spät auf.

Die Schweiz hatte in der Qualifikation die ersten neun Spiele allesamt gewonnen und erst am letzten Gruppenspieltag durch eine Niederlage in Portugal die vorzeitige WM-Teilnahme verpasst. 

Auch Kroatien kann bereits für die Endrunde im kommenden Jahr in Russland planen. Gegen das von Michael Skibbe trainierte Griechenland setzten sich die Kroaten im Hinspiel 4:1 (3:1) durch.