Fragen und Antworten zum grauen Kapitalmarkt

Nach der Insolvenz von P&R werden Stimmen laut, nach denen der graue Kapitalmarkt in Zukunft besser reguliert werden müsse. Doch was genau bedeutet dieser Begriff eigentlich? Sagt er wirklich etwas über die Seriosität der Investments aus oder ist sein Ruf schlechter, als er es verdient?

P&R ist insolvent – was nun? (Bild: dpa)

Nachdem mit P&R einer der größten Anbieter des grauen Kapitalmarkts pleite gegangen ist, sieht manch einer Handlungsbedarf: “Seit Jahren weist der VZBV darauf hin, dass Produkte des grauen Kapitalmarktes ohne transparente Preisbildung zum Beispiel an einer Börse nicht an Privatanleger verkauft werden sollten“, sagte Klaus Müller gegenüber dem “Handelsblatt“.

Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands weiter: “Ein aktiver Vertrieb sollte verboten werden, denn für Verbraucher sind diese Produkte zu komplex und bergen zu hohe Risiken.“ Gerhard Schick, Finanzexperte der Grünen, schlug in dieselbe Kerbe. Seiner Meinung nach habe die Insolvenz gezeigt, dass die Gesetze Anleger in Deutschland weiterhin “nur ungenügend vor nicht tragfähigen Geschäftsmodellen schützt“. Ist das tatsächlich so?

Was bedeutet der Begriff “Grauer Kapitalmarkt“ überhaupt?

Der Begriff “grauer Kapitalmarkt“ bezieht sich zunächst nur auf Anlageprodukte, die keine Erlaubnis der Finanzaufsicht voraussetzen. Sie sind weniger reguliert als die Produkte, die auf dem “weißen Kapitalmarkt“ in einem voll regulierten Bereich gehandelt werden. Und sie haben nichts zu tun mit dem “schwarzen Kapitalmarkt“, auf dem in der Tat auch illegale Geschäfte abgewickelt werden.

Lesen Sie auch: Nach P&R-Insolvenz: Was sollten Anleger jetzt tun?

Dass die staatliche Aufsicht beim grauen Kapitalmarkt fehlt, sagt alleine noch nichts aus über die Seriosität oder Rentabilität der Investments. Crowdfunding zum Beispiel wird nicht reguliert und gehört ebenfalls zum Grauen Kapitalmarkt.

Wer ist zuständig für die Kontrolle?

Auf den regulierten Märkten ist in Deutschland die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zuständig. Zu ihren Aufgaben gehören Risikoanalysen, Analysen des Finanzmarktes, Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sowie der Schutz von Anlegern.

Sie prüft die regulierten Unternehmen dahingehend, ob sie ihren Informationspflichten nachkommen und ob ihre Prospekte den Vorgaben entsprechen. Sie prüft aber nicht, ob die Angaben in den Prospekten korrekt und die Anbieter hundertprozentig seriös sind. Ein von der BaFin gebilligter Prospekt ist also beileibe keine “Sicherheitsgarantie“, wie auch die Seite “diekleinanleger.com” schreibt.

Was also macht den großen Unterschied zum weißen Kapitalmarkt aus?

Der große Unterschied besteht vor allem in der Einfachheit beziehungsweise Schwierigkeit, mit der sich Investoren über die Anlagen informieren können. Während man auf dem weißen Kapitalmarkt leicht an entscheidenden Informationen wie aktuelle Bilanzen und Berichte herankommt, die in der Regel seriös sind, kann das auf dem grauen Kapitalmarkt komplizierter sein. Das könnte ein Warnsignal sein.

Lesen Sie auch: Diese Unternehmen sind 2017 pleite gegangen

Allerdings gibt es auch hier Anbieter, die ohne reguliert zu sein genau so viele oder sogar mehr Informationen preis geben, als wären sie es. Allgemein kann man sagen: Je geringer die gesicherten Informationen sind, die Anlegern zur Verfügung stehen, desto größer ist das Risiko. Verbraucherschutzzentralen und die Stiftung Warentest haben zudem “schwarze Listen“ mit unseriösen Anbietern erstellt, die natürlich nie vollständig sein können.