Fragen & Antworten zum Seilbahn-Drama: Warum hat das Service-Seil die Gondel blockiert?

Wie konnte es zu dem Unglück kommen? Und wann fährt die Bahn wieder?

Auch nach dem zweiten Seilbahnunglück in Köln in 60 Jahren gibt es noch viele offene Fragen – vor allem die nach den genauen Umständen. Aber auch wann die Bahn ihren Betrieb wieder aufnimmt, ist völlig unklar. Unterdessen denkt die KVB darüber nach, die Gondeln künftig mit Funk auszurüsten.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum hat sich die Gondel verkeilt?

„Das können wir uns im Augenblick absolut nicht erklären“, sagt Seilbahn-Geschäftsführer Thomas Miebach. Die eigentlich Ursache für die Havarie bleibt somit vorerst ein Rätsel. Klar sei nur: Ein sogenanntes Service-Seil, an dem zu Wartungszwecken ein Montagewagen zu den Pylonen hochgezogen werden kann, sei um 15.23 Uhr ungefähr dreieinhalb Meter in eine Richtung ausgeschlagen. Es habe sich dabei an der Aufhängung einer Kabine verfangen, die sich am linksrheinischen Pylon verkeilte. Das löste einen Not-Stopp aus, der die gesamte Bahn automatisch anhielt. Das Service-Seil verläuft parallel zu den Seilen, die die Gondeln tragen, und ist für gewöhnlich straff gespannt. Warum es der Kabine so nahe kam, muss nun untersucht werden.

Welche Rolle spielte der Wind?

Ebenfalls unklar. Hat der Wind das Service-Seil gegen die Gondel getragen? Das sei in 60 Jahren noch nie geschehen und dürfe auch eigentlich nicht geschehen, heißt es dazu bei der KVB. Die gemessenen Windgeschwindigkeiten an der Anlage hätten am Sonntag zu keinem Zeitpunkt den zulässigen Grenzwert von 16 Metern pro Sekunde (58 km/h) erreicht, sagt Technik-Vorstand Jörn Schwarze. Es gebe bislang zumindest „keine Indikation“ dafür, dass der Wind „wesentliche Ursache“ gewesen sei. Aber aktuell schließe man auch keine Möglichkeit aus. Laut Deutschem Wetterdienst wurden am Sonntag in Köln „Spitzenböen“ von bis zu 60 Stundenkilometern gemessen. Diese Werte lägen im Sommer „durchaus im Rahmen des Üblichen“.

Ist es denkbar, dass bei der Feuerwehr-Übung an der betreffende Gondel etwas kaputt gegangen sein könnte, das den Defekt auslöste?

Nein, sagt die KVB. Zum einen hat offenbar das Service-Seil die Ursache gesetzt, nicht die Gondel. Zum anderen habe man sich die Gondel nach der Übung angeschaut, bevor sie wieder in Betrieb gegangen sei.

Lief der Fahrbetrieb bis zu dem Unglück so ab wie üblich? Oder gab es am Sonntag Besonderheiten?

Von Besonderheiten wisse man nichts, betonen Miebach und Schwarze. Zum Unfallzeitpunkt waren 32 Gondeln gleichzeitig unterwegs, bis zu 44 sind möglich. Weil die Windböen am Sonntagmittag allerdings laut KVB im Maximum 15 Meter pro Sekunde betrugen, habe man sich darauf eingestellt, den Betrieb im Laufe des Tages womöglich sicherheitshalber zu stoppen. Darauf seien die Fahrgäste beim Einstieg auch aufmerksam gemacht worden. Letztlich sei es aber nicht zu einem Betriebsstopp gekommen. „Noch einmal“, betonte Schwarze: „Die Messwerte wurden zu keinem Zeitpunkt gerissen. Insofern musste die Seilbahn auch nicht reagieren.“

Hätte die betreffende Gondel abstürzen können?

„Ein Abstürzen ist praktisch nicht möglich“, betont Technik-Vorstand Schwarze. „Das kann nicht passieren.“ Es gebe mehrere Sicherungsvorrichtungen.

Ist die 60 Jahre alte Seilbahn technisch überhaupt noch zeitgemäß?

Die technische Entwicklung bei Seilbahnen sei zwar in den vergangenen Jahrzehnten extrem voran geschritten, sagt Geschäftsführer Miebach. Dennoch bezeichnet er die Rhein-Seilbahn angesichts von zwei Zwischenfällen in 60 Jahren weiterhin als „sicherstes Verkehrsmittel“ in der Stadt. „Wir kriegen jedes Jahr vom TÜV und anderen Sachverständigen – unter anderem aus Österreich – gesagt, wie top gepflegt die Bahn ist.“ 2014/2015 seien alle Seile erneuert worden, zwei Tage vor dem Unglück haben Techniker die Bahn noch gewartet.

Wie geht es jetzt weiter?

TÜV-Experten und ein externer Gutachter sollen nun die Unfallursache finden. Anschließend werde die Bahn technisch so verbessert, dass sich ein Vorfall wie am Sonntag nicht wiederholen könne, verspricht Schwarze. Wie lange das alles dauert, sei unklar. Bis dahin bleibt die Seilbahn aber auf jeden Fall geschlossen. Man denke außerdem darüber nach, eine Kommunikationsanlage in die Gondeln einzubauen, damit die Fahrgäste künftig jederzeit Kontakt zur Seilbahnstation aufnehmen könnten und umgekehrt. Die 65 geretteten Fahrgäste erwarte eine „symbolische Wiedergutmachung“ – etwa eine Einladung zu einer Veranstaltung oder in einen Freizeit- oder Tierpark, kündigte Schwarze an. Schließlich habe man „das entspannte Sonntagnachmittag-Erlebnis“ der Betreffenden verletzt. „Das tut uns sehr leid.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta