Fragen und Antworten zur Schwimm-WM in Budapest (14. bis 30. Juli)

SID
Schwimmen: Titelverteidiger Koch nur als 13. ins WM-Halbfinale

Ein Jahr nach dem Olympia-Debakel kämpft der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) bei den Weltmeisterschaften in Budapest (14. bis 30. Juli) wieder einmal um den Anschluss an die Weltspitze. Die Aussichten sind jedoch trüb. 

In welchen Disziplinen wird sich gemessen?
Die WM beginnt mit den Wettbewerben im Freiwasserschwimmen (Balatonfüred), Wasserball, Synchronschwimmen und Wasserspringen (alle in Budapest). In der zweiten WM-Woche steht das Beckenschwimmen in der neuen Duna Aréna im Mittelpunkt. Zum Abschluss tauchen die spektakulären Klippenspringer in die Donau ein.

Wer kann für Deutschland Medaillen holen?
Im Becken gehen Weltmeister Marco Koch sowie die beiden Weltjahresbesten Philip Heintz und Franziska Hentke mit Ambitionen auf Edelmetall ins Rennen. Im Wasserspringen ruhen die Hoffnungen auf Patrick Hausding. Der Olympiadritte will vor allem im Turm-Synchronspringen seinem Partner Sascha Klein einen krönenden Abschluss der Karriere bescheren. Beim Freiwasser im Balaton haben die Staffel und Finnia Wunram über 5 km Chancen auf Edelmetall, eventuell auch Schwimm-Oldie Angela Maurer (41) über 25 km.

Warum steht der Chef-Bundestrainer Schwimmen unter Druck?
Henning Lambertz hat wegen seiner Maßnahmen nach der Olympia-Pleite in Rio zum Teil scharfe Kritik einstecken müssen. Manche werfen ihm Alleingänge und eine schlechte Kommunikation mit Andersdenkenden vor. Außerdem hat Lambertz stets betont, an den Leistungen im zweiten Olympiazyklus gemessen werden zu wollen.

Wie ist die Stimmung im Verband?
Vorsichtig formuliert: sehr bescheiden. Die schleppende Strukturreform verunsichert viele Athleten, die internen Streitigkeiten drücken ebenso auf die Stimmung. Für Frust sorgt auch, dass TV-Deutschland von den Wettkämpfen in Ungarn kaum Notiz nehmen wird.

Warum zeigen ARD und ZDF die WM nicht im Hauptprogramm?
Weil das deutsche Schwimmen durch die Misserfolge der vergangenen Jahre und die Rücktritte von Leitfiguren wie Britta Steffen oder Paul Biedermann in der Gunst der Zuschauer verloren hat. Die Quoten waren zuletzt für die gute Sendezeit am Abend zu schlecht, also strichen ARD und ZDF die WM aus dem Hauptprogramm. Zu sehen sind Livebilder auf den Spartensendern One, ZDFinfo und Eurosport sowie im Stream auf sportschau.de und zdf.de. 

Was macht Michael Phelps?
Es klingt verrückt, aber der nach Rio zurückgetretene Rekord-Olympiasieger ist gegen einen Weißen Hai um die Wette geschwommen. Wie das ungleiche Duell ausgegangen ist, erfahren die Fans bei der Ausstrahlung am 23. Juli im Rahmen einer Themenwoche beim US-Sender Discovery. 

Warum ist auch das Synchronschwimmen interessant?
Weil erstmals ein deutscher Mann bei einer WM teilnimmt: Der Bochumer Niklas Stoepel startet mit seiner Partnerin Amelie Ebert im Mixed-Duett. "Überfällig" sei das, sagt der 25-Jährige, das Startverbot für Männer bis 2015 war "diskriminierend".

Was ist während der WM noch wichtig?
Am zweiten Wochenende stehen Präsidentschaftswahlen im Weltverband FINA an. Der umstrittene Amtsinhaber Julio Maglione aus Uruguay, bereits 81 Jahre alt und unter anderem wegen seiner jahrelang laschen Anti-Doping-Politik in der Kritik, stellt sich erneut zur Wahl. Den Posten will ihm der Italiener Paolo Barelli, Chef des europäischen Schwimm-Verbandes LEN, mit dem Versprechen auf mehr Transparenz und Gerechtigkeit streitig machen. Chancen werden ihm kaum eingeräumt.