FR Weekly: Wahl bestimmt die Märkte, Ölpreis hält sich tapfer, Unternehmen im Übernahmefieber

 

Das Ergebnis der Bundestagswahl vom Sonntag ist das Thema auf den Finanzmärkten, der Ölpreis zieht an und die Bank of England rät Kreditgebern, zusätzliche Rücklagen in Höhe von 10 Milliarden Pfund zu bilden. Derweil befindet sich die Börse Im Übernahmefieber.

Wahl bestimmt die Märkte: Das Ergebnis der Bundestagswahl vom Sonntag ist das Thema auf den Finanzmärkten. Noch ist unklar, in welcher Konfiguration die nächste Regierung an den Start geht – und wie sich der Einzug der AfD auf die Politik auswirkt. Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang äußert gegenüber dem Handelsblatt, CDU-geführte Regierungen würden von den Märkten vor allem in Koalition mit der FDP positiv aufgenommen: „Unter einer CDU-geführten Regierung hat der Dax stets größere Kursgewinne erzielt als unter einer SPD-geführten Regierung.“

Kolumnist Gideon Rachman fürchtet in der Financial Times, die Art, wie Deutschland mit dem Rest Europas zusammenarbeite, könne sich – nicht zuletzt aufgrund des unerwartet starken Abschneidens der AfD – verkomplizieren und die Regierung unter Druck setzen, populistische Positionen einzunehmen.

Nach zügiger Regierungsbildung solle sich die Regierung schnell wieder den Sachthemen widmen, fordert Bayer (IOB: 0P6S.IL - Nachrichten) -Chef Werner Baumann in der Wirtschaftswoche: „Wir brauchen eine steuerliche Forschungsförderung, die alle forschenden Unternehmen für ihre Innovationsanstrengungen belohnt.“ Auch Investitionen in Bildung und digitale Infrastruktur seien dringend nötig.

Als (Düsseldorf: CP4.DU - Nachrichten) schlechte Nachricht für das Frankreich Emmanuel Macrons sieht unterdessen Le Monde aus Paris das Wahlergebnis: Zum einen, weil Deutschland nun womöglich für Monate in Koalitionsverhandlungen versinken werde, aber auch, weil Angela Merkel schwächer in die neue Legislaturperiode gehen könnte und eine Europa- und Frankreich-freundliche Politik im Parlament schwerer durchzusetzen sei.

Der DAX hält sich unterdessen wacker über 12.600 Punkten; es ist zu erwarten, dass bis zum Abschluss der Koalitionsverhandlungen die Politik auch wenig Impulse für den Index liefern wird.

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Während der Ölpreis nicht zuletzt aufgrund der anziehenden Nachfrage leicht anzieht – Brent kostet zur Kasse 57,7 US$ das Barrel – musste der Euro im internationalen Handel etwas Federn lassen: Um 0,6 % liegt die Gemscinschaftswährung derzeit gegenüber dem Dollar im Minus. „Für die Börsen ist der Ausgang der Wahl kein erfreulicher“, erklärt der VP Bank (London: 0QKK.L - Nachrichten) -Chefvolkswirt Thomas Gitzel gegenüber Reuters. Er rechnet zu Wochenbeginn mit Turbulenzen an den europäischen Finanzmärkten.

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Die Bank of England rät Kreditgebern, zusätzliche Rücklagen in Höhe von 10 Milliarden Pfund zu bilden; diese seien vielleicht nötig, um sich gegen steigende Risiken aus den unbesicherten Privatkundengeschäft abzusichern. In der selben Mitteilung ließ die BoE (Shenzhen: 000725.SZ - Nachrichten) verlauten, dass möglicherweise ein Viertel der derivativen Produkte im Lauf des Brexit in Schwierigkeiten geraten könnten: Die Emittenten müssten die Bedingungen ihrer Kontrakte überprüfen, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Besser, so die BoE, sei allerdings, wenn sich die britischen und europäischen Gesetzgeber auf ein Verfahren einigen könnten …

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Im Übernahmefieber: Eine ganze Reihe von Fusionen versorgt die Börsen mit Phantasie: Der (Shenzhen: 002631.SZ - Nachrichten) niederländische Konsumgüterproduzent Unilever kauft Kosmetikfirma Carver Korea für 2,27 Milliarden Euro, der Schweizer Industrie-Riese ABB will die Industrial Solutions-Sparte von GE erwerben (2,6 Mrd- US$), und SAP (Amsterdam: AP6.AS - Nachrichten) streckt seine Hände nach dem israelischen Online-Serviceanbieter Gigya (235 Mio. US$) aus. Derweil bietet Lufthansa Insidern zufolge 200 Millionen Euro für die insolvente, aber immer noch fliegende Air Berlin (London: 0GPE.L - Nachrichten) . Wer beim Bieterwettstreit das Rennen macht, entscheidet sich am Montagnachmittag.

(TG)