Konzert in Berlin: Dirty old Man - Jubel für Westernhagen in der Waldbühne

Marius Müller-Westernhagen in der Waldbühne

Am Ende kommt doch, was über zweieinhalb Stunden immer wieder gefordert wurde. Und das klang wie auf einer Demo, diese immer wieder aufbrechenden Sprechchöre: "Freiheit, Freiheit". Zehn Jahre hat Westernhagen den Song nicht gespielt, zu sehr schien er ihm verbunden mit der Wende, die er ungeplant begleitete, zusammen mit seinem schmuddeligen Zwillingsbruder, "Wind of Change" der Scorpions. Doch die Gegenwart ist düster, und drastische Situationen erfordern drastische Maßnahmen. Westernhagen holt tief Luft als er zur letzten Zugabe auf die Bühne kommt. Das sieht – vergrößert durch die unvermeidlichen Videoleinwände – nach echter Rührung aus. Und ist es nicht wieder einmal an der Zeit, da zu stehen, beide Fäuste zu heben und festzustellen: "Freiheit, Freiheit / Ist das einzige, was zählt"?

Den Rest der Show sitzt Marius Müller-Westernhagen weitgehend auf einem Stuhl. Weniger weil er – immerhin schon 68 – in die Jahre gekommen wäre. Okay, das ist er auch. Sein hageres Gesicht sieht mittlerweile, wenn er mit geschlossenen Augen, voll Inbrunst singt, aus wie das eines Asketen auf mittelalterlichen Fresken. Oder wie ein sehr alter Engel von Ernst Barlach. Der prinzipiell eher unengelhafte Vorzeigerocker aber hat zuletzt in der alten Volksbühne eine "MTV unplugged"-Platte aufgenommen. Und versucht jetzt, vor knapp 20.000 Menschen so was wie Wohnzimmeratmosphäre zu produzieren. Da gehört Sitzen dazu, auch wenn es Westernhagen mit fortschreitendem Konzert sichtbar schwerfällt.

Ritt durc...

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