Früheres Atommüll-Erkundungsbergwerk Gorleben wird endgültig stillgelegt

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Gorleben (AFP/Nigel Treblin)

Nach jahrzehntelangem Streit wird das Kapitel Gorleben geschlossen: Das früher als potenzielles Atommüllendlager betrachtete Bergwerk in Niedersachsen wird endgültig stillgelegt, wie das Bundesumweltministerium am Freitag mitteilte. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) werde damit beauftragt. Die Anti-Atom-Bewegung sieht allerdings trotzdem noch offene Fragen zu Gorleben.

Wie das Ministerium weiter mitteilte, soll der Stollen wieder verfüllt werden. "Das Bergwerk Gorleben soll nun stillgelegt werden und die Salzhalde dabei wieder unter Tage verbracht werden - es ist nun an der BGE, die Planung der Schließung fortzusetzen".

Das Bergwerk im niedersächsischen Wendland war trotz heftiger Proteste jahrzehntelang als mögliches künftiges Endlager für deutschen hochradioaktiven Atommüll betrachtet und entsprechend erforscht worden. Im Zuge eines Neustarts der bundesdeutschen Endlagersuche wurde das Bergwerk aber 2020 wegen nicht ausräumbarer Zweifel an der geologischen Eignung endgültig von der Liste potenzieller Standorte genommen.

Bereits vor der Entscheidung befand sich das Bergwerk, in dem nie Atommüll lagerte, seit Jahren in einer Art Winterschlaf. Seit 2013 ruhten sämtliche Erkundungsarbeiten, die nicht mehr nötige Technik und Gebäude wurden schrittweise entfernt.

Ein Sprecher des Bundesumweltministerium sagte am Freitag in Berlin, es sei keine Möglichkeit für eine wirtschaftliche Nachnutzung des Bergwerks gefunden worden. Das BGE habe daher die komplette Stilllegung vorgeschlagen, das Ministerium habe dem zugestimmt.

"Das Kapitel Endlager Gorleben wird ab dem heutigen Tag geschlossen - ich hoffe, dass im Wendland nun die Wunden heilen können, die der jahrzehntelange Streit um Gorleben gerissen hat", erklärte Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth. Tatsächlich zeigte sich die Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt" aber nur teilweise zufrieden: "Die Entscheidung ist zwar begrüßenswert, doch sie reicht nicht aus", erklärte Sprecher Jochen Stay.

"Nötig ist auch ein Umgang mit den Problemen der Zwischenlager-Halle in Gorleben, die neben dem Bergwerk errichtet wurde und in der 113 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll aufbewahrt werden", führte Stay aus. Die Lagerung der Castor-Behälter sei nur bis 2034 genehmigt, eine mögliche Endlagerung könne aber frühestens 2050 beginnen. Die nächste Bundesregierung müsse sich dringend darum kümmern, forderte Stay.

Erleichtert reagierte die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Mit der geplanten Verfüllung werde "eine Hintertür verschlossen, um Gorleben für den Fall, dass die Endlagersuche in schweres Fahrwasser gerät, doch noch nutzen zu können", erklärte Sprecher Wolfgang Ehmke.

Die Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses, die Grünen-Politikerin Sylvia Kotting-Uhl, sieht sich durch den Stilllegungsbeschluss bestätigt: Dieser zeige, "wie richtig unser jahrzehntelanger Widerstand gegen Gorleben war", erklärte sie.

Die Zeit der "politisch-willkürlichen Atommüll-Entscheidungen" sei endgültig vorbei, zeigte sich Kotting-Uhl überzeugt. "Nun müssen wir die alten Gräben hinter uns lassen und die neue, wissenschaftsbasierte Endlagersuche mit breiter Beteiligung und größtmöglicher Transparenz zum Erfolg führen."

Das Standortauswahlverfahren für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle läuft seit 2017. In drei Phasen werden dabei die Gebiete, die als mögliche Endlager-Standorte in Frage kommen, immer weiter eingegrenzt. Anfang September ging mit der Vorlage des Berichts der Fachkonferenz Teilgebiete die erste Phase zu Ende. Das Endlager soll bis 2050 eingerichtet sein.

cne/bk

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