Früherer VW-Ingenieur wegen Abgasskandals zu 40 Monaten Haft verurteilt

40 Monate Haft und Geldstrafe im Abgasskandal

Wegen seiner Rolle in der Diesel-Abgasaffäre ist ein früherer VW-Ingenieur in den USA zu 40 Monaten Haft und einer satten Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht in Detroit ging damit am Freitag über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus und ordnete zudem an, dass James Liang nach seiner Freilassung zwei Jahre unter Aufsicht gestellt wird. Es ist das erste Urteil gegen einen VW-Verantwortlichen.

Liang erhielt drei Jahre und 4 Monate Haft und eine Geldstrafe in Höhe von 200.000 Dollar (gut 168.000 Euro). Der 63-Jährige hatte sich schuldig bekannt, die Betrugssoftware in VW-Dieselwagen mit entwickelt zu haben.

Weil Liang umfangreich gestanden und mit der US-Justiz kooperiert hatte, hatte die Anklage lediglich drei Jahre Haft und 20.000 Dollar Strafe gefordert - möglich gewesen wären fünf Jahre Gefängnis und 250.000 Dollar Strafe. Während der Zeit, in der er nach der Freilassung unter Beobachtung gestellt werden soll, könnte er auch an Deutschland ausgeliefert werden, entschied das Gericht.

Zusammen mit seinen Kollegen soll Liang jahrelang an der illegalen Software gearbeitet haben. Der Anklage zufolge arbeitete er von 1983 bis 2008 im Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg, anschließend war er im US-Bundesstaat Kalifornien für die Tests von Dieselmotoren für den US-Markt zuständig.

Das US-Justizministerium erklärte, Liang habe ausgesagt, dass er seit 2006 mit Ingenieuren an einem Motor für den US-Markt namens EA 189 gearbeitet habe. Als ihm und seinen Kollegen klar geworden sei, dass dieser Motor die US-Abgasnormen nicht erfüllen werde, hätten sie die Betrugssoftware entwickelt. 2008 sei Liang dann von VW in die USA geschickt worden, um dort bei der Markteinführung dieses Dieselmotors zu helfen.

Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck der US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Diesel-Fahrzeuge unterschiedlicher Marken eine illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm verringert den Ausstoß von schädlichen Stickoxiden bei standardisierten Tests, aber nicht im Normalbetrieb auf der Straße.

Stickstoffoxide tragen unter anderem zur Bildung von Feinstaub bei, der in die Lungen und in den menschlichen Blutkreislauf eindringt. Die Europäische Umweltagentur machte Stickoxide für mehr als 10.000 vorzeitige Todesfälle allein in Deutschland im Jahr 2012 verantwortlich.

Die von Volkswagen im Zuge der Aufarbeitung des Skandals ausgehandelten Entschädigungen und Strafzahlungen in den USA belaufen sich inzwischen auf mehr als 22 Milliarden Dollar. Der Autohersteller rief in den Vereinigten Staaten rund 600.000 Autos zurück.

Liangs Anwalt Daniel Nixon hatte zur Verteidigung seines Mandanten unter anderem angeführt, dass durch dessen Kooperation auch andere Verantwortliche gefasst werden konnten. Insgesamt müssen sich derzeit in den USA sieben Manager und Ingenieure von VW vor Gericht verantworten.

So ist unter anderem der Deutsche Oliver S. angeklagt, ebenfalls in Detroit. Auch er bekannte sich vor ein paar Wochen schuldig, an einer Verschwörung zum Betrug beteiligt gewesen zu sein und gegen Luftreinhaltungsgesetze verstoßen zu haben. Ihm drohen mehrere Jahre Haft. Das Urteil soll am 6. Dezember fallen.