Früherer NBA-Star spricht über Nahtoderfahrung

Markus Riderer
Lamar Odom spielte von 1999 bis 2014 in der NBA

Die Meldung im Oktober 2015 schlug ein wie eine Bombe: Der ehemalige NBA-Star Lamar Odom wurde ohnmächtig in einem Bordell in Las Vegas aufgefunden. Der damals 35-Jährige hatte tagelang in der "Love Ranch" gefeiert und Drogen genommen.

Knapp zwei Jahre später spricht Odom in The Players Tribune offen über das dunkelste Kapitel seines Lebens und wie er die Ereignisse erlebte.

Ärzte sprechen von "Wunder"

"Als ich in Nevada im Krankenhaus aufwachte, konnte ich mich nicht bewegen. Ich konnte nicht sprechen. Ich war in meinem eigenen Körper gefangen", berichtet Odom: "Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich hilflos."

Odom lag nach seinem Zusammenbruch vier Tage lang im Koma, ehe er aufwachte. Die Ärzte sprachen von einem "Wunder" und erzählten dem ehemaligen NBA-Profi, dass sie nicht davon ausgegangen wären, er würde überleben.

"Meine Ex-Frau war mit im Zimmer. Nach all dem Scheiß, den ich gebaut habe, war ich überrascht, sie zu sehen. Ehrlich gesagt war mir deshalb bewusst, dass ich wahrscheinlich in schlechter Verfassung war", erinnert sich der 37-Jährige.


Täglicher Kokain-Konsum

Zu dieser Zeit nahm er nach eigenen Aussagen täglich Kokain. "Jede Sekunde meiner Freizeit habe ich damit verbracht, zu koksen. Ich konnte es nicht kontrollieren. Ich wollte es nicht kontrollieren." Die Sucht entwickelte sich dabei jedoch nicht als Jugendlicher in New York oder bei seiner ersten Profistation, den Los Angeles Lakers.

Erst als 24-Jähriger habe Odom in Miami das erste Mal Kokain probiert. Heute bereut er diese Entscheidung: "Hätte ich den Effekt auf mein Leben vorher gewusst, hätte ich nicht einmal daran gedacht."

Im Alter von 32, 33 Jahren "wollte ich einfach nur die ganze Zeit high werden. (…) Und dann wurde es verdammt düster". Für Odom sei der Tiefpunkt gewesen, als "ich in einem Motel-Zimmer mit einer Frau high wurde und meine damalige Frau reinkam".

Odom: "Es ist ein täglicher Kampf"

Aber auch als dem ehemaligen Teamkollegen von Dirk Nowitzki erzählt wurde, dass seine Kinder ihn im Krankenhaus besucht hätten, hätte ihm das "das Herz gebrochen". Denn der zweimalige NBA-Champion erinnerte sich an seine Kindheit, als er als Zwölfjähriger ebenfalls im Krankenhaus seine Mutter in ähnlichem Zustand auf dem Sterbebett gesehen hatte.

Gleichzeitig sei sein Nachwuchs auch der einzige Grund gewesen, der ihn antrieb.

Nun stellt sich Odom offen seiner Sucht. "Ich bin jetzt runter von den Drogen. Aber es ist ein täglicher Kampf", gesteht er. Doch Odom muss sich nur vor Augen führen, wohin ihn seine Sucht getrieben hatte. Dann wird er diesen Kampf gerne annehmen.