Früherer Front-National-Vize Philippot fordert Le Pen heraus

Florian Philippot

In Frankreich bekommt die rechtspopulistische Front National (FN) neue Konkurrenz: Der frühere FN-Vizevorsitzende Florian Philippot kündigte am Freitag im Sender LCI die Gründung einer eigenen politischen Formation an. Damit fordert der langjährige Chefstratege Front-National-Chefin Marine Le Pen heraus, die ihn entmachtet hatte. Philippot war daraufhin vor gut einer Woche aus der FN ausgetreten. Le Pen selbst will bei einem Treffen am Samstag die Weichen für eine Neuorientierung stellen.

Philippot sagte dem Sender, juristisch betrachtet sei seine Vereinigung "Die Patrioten" eine neue Partei. "Aber de facto ist es keine Partei, weil wir nicht wie traditionelle, hierarchisch organisierte Parteien vorgehen wollen, in denen alles von oben verordnet wird." Er bevorzuge deshalb die Bezeichnung "politische Formation".

Er wolle einen "Sammelpunkt für alle Patrioten" schaffen, sagte Philippot weiter. Dafür wolle er "die besten Kräfte zur Rechten wie zur Linken versammeln, um an die Macht zu kommen".

Nach eigenen Angaben hat der 35-Jährige bereits 3000 Anhänger, in den ersten Monaten des kommenden Jahres soll es eine Gründungs-Veranstaltung geben. Philippot warf der Front National vor, die Orientierung verloren zu haben. Er hatte der FN in den vergangenen Jahren eine Strategie der "Entdiabolisierung" verordnet.

Marine Le Pen will am Samstag bei einem Parteitreffen im westfranzösischen Poitiers erste Weichen für eine Neuausrichtung der Front National stellen. Damit will die FN-Chefin den Führungsstreit überwinden und die Niederlage bei der Präsidentschaftswahl im Mai hinter sich lassen. In der Stichwahl war sie Emmanuel Macron mit 33,9 Prozent der Stimmen unterlegen, deutlich weniger als erhofft.

Ihr Vater und Parteigründer Jean-Marie Le Pen rief seine Tochter auf, "zu den Grundlagen zurückzukehren". Die FN müsse sich geschlossen zeigen und wieder die alleinige Vertretung aller Patrioten werden, forderte er in einem offenen Brief an die Anhänger. Seine Tochter hatte ihn 2015 aus der Partei ausgeschlossen. Grund war seine wiederholte Äußerung, der Holocaust sei nur ein "Detail" der Geschichte.