Früherer Farc-Unterhändler wegen Vorwurf des Drogenhandels festgenommen

Jesús Santrich im September 2014

Ein früherer Friedensunterhändler der aufgelösten Rebellengruppe Farc ist in Kolumbien unter dem Verdacht des Drogenhandels festgenommen worden. Jesús Santrich könnte an die USA ausgeliefert werden, sagte Kolumbiens Staatschef Juan Manuel Santos am Montag (Ortszeit). Ein New Yorker Gericht wirft dem 51-Jährigen vor, in den Schmuggel von zehn Tonnen Kokain in die USA verstrickt zu sein.

Santos empfängt am Sonntag in Bogotá US-Präsident Donald Trump. Dieser beklagt eine Zunahme des Drogenschmuggels aus Kolumbien seit dem historischen Friedensabkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Farc Ende 2016.

Das Abkommen sieht vor, dass frühere Farc-Angehörige nicht wegen Drogenvergehen an die USA ausgeliefert werden, wenn die Vorwürfe sich auf die Zeit vor dem Friedensschluss beziehen. Die Anschuldigungen gegen Jesús Santrich - mit bürgerlichem Namen Seusis Pausivas Hernández - beziehen sich aber auf mutmaßlichen Drogenschmuggel seit Juni 2017.

Präsident Santos machte deswegen klar, er werde einer Auslieferung des einstigen Unterhändlers "bei eindeutigen Beweisen" zustimmen.

Der frühere Farc-Chefunterhändler Iván Márquez kritisierte eine "gewaltsame" Festnahme des unter Augenproblemen leidenden Jesús Santrich. "Das ist der schlimmste Moment, den der Friedensprozess durchläuft."

Nach der Parlamentswahl vom März sollte Santrich im Juli ein Kongressmandat antreten. Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) haben sich im Zuge des Friedensprozesses in eine politische Partei namens Alternative revolutionäre Kraft des Volkes mit derselben Abkürzung Farc umgewandelt.