Früherer Audi-Chef wird Chefaufseher bei ZF


Nach den Rücktritt von ZF-Aufsichtsratschef Giorgio Behr hat das Unternehmen jetzt schnell Ersatz gefunden. Als neuer Aufsichtsratschef wurde Franz-Josef Paefgen auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung gewählt. Der 71-jährige frühere Audi-Chef gehört dem Gremium seit 2008 an. „ZF hat die Herausforderungen der Automobilindustrie mit einer Langfrist-Strategie erfolgreich angenommen und in den vergangenen Jahren eine hervorragende Entwicklung genommen. Diesen Kurs wollen wir fortsetzen“, sagt Paefgen. Das Handelsblatt hatte bereits in der vergangenen Woche berichtet, dass Paefgen aussichtsreicher Kandidat für den Posten war.

„Die Gesellschafter begrüßen die Berufung von Dr. Paefgen mit seiner ausgewiesenen Expertise an die Spitze des Kontrollgremiums“, erklärten der Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen, Andreas Brand, als Vertreter der Zeppelin-Stiftung und Joachim Meinecke als Vertreter der Ulderup-Stiftung. Paefgen war seit 1976 in verschiedenen Führungspositionen in der Automobilindustrie tätig. So gehörte er von 1995 bis 2002 dem Vorstand der Audi AG an, seit 1997 als Vorstandsvorsitzender.


Von März 2002 an war er verantwortlich für die Marke Bentley und als Generalbevollmächtigter der Volkswagen AG zudem für die Konzern-Forschung und die Motorsportaktivitäten des Volkswagen-Konzerns. Von 2003 bis 2005 leitete Paefgen die Bugatti Engineering GmbH. Ab 2007 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2011 war er Präsident der Bugatti Automobiles S.A.S. sowie der Bugatti International S.A. „Es ist wichtig, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt und wir uns auf das Geschäft und den anstehenden Transformationsprozess in der Automobilindustrie konzentrieren“, sagt Paefgen. „Dazu möchte ich als Aufsichtsratsvorsitzender meinen Beitrag leisten.“

Die Aufgabe dürfte schwer werden. In den vergangenen Wochen tobte ein Machtkampf zwischen Vorstandschef Stefan Sommer und dem Eigentümer über das Sagen im Konzern. Zuletzt wollte der Eigentümer das Expansionstempo von Sommer bei Zukäufen nicht mehr mitgehen. Nach Informationen des Handelsblatts wird heute auch noch über Sommers Zukunft gesprochen. Die Verhandlungen dauern an.

Hintergrund des Machtkampfs sind den Berichten zufolge Differenzen mit der Stadt Friedrichshafen, deren Oberbürgermeister Andreas Brand die Zeppelin-Stiftung als Haupteigentümer von ZF im Aufsichtsrat vertritt. Nach dem Willen der Stiftung soll das Unternehmen künftig 18 Prozent seines Gewinns nach Steuern an sie abführen.


Zudem geht es dem Vernehmen nach um die Ausrichtung des Unternehmens. Vorstandschef Sommer hatte bei ZF in der Vergangenheit eine deutliche Expansionsstrategie vorangetrieben. 2015 übernahm der Autozulieferer beispielsweise den US-Konkurrenten TRW Automotive. Teilen des Aufsichtsrats gehen die Zukäufe womöglich zu schnell. Nach einem früheren Bericht des „Wall Street Journal“ hatte sich das Gremium beispielsweise gegen Pläne des Vorstands für eine Übernahme des Wabco-Konzerns aus Belgien ausgesprochen.

Aufsichtsratschef Behr hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, dass er sein Amt mit einer vierwöchigen Frist niederlegen werde. Aus dem Umfeld des Unternehmens hieß es, Behr habe Veränderungen nicht im Wege stehen wollen. Worum es konkret geht, ist offen. Zuvor war zudem bekannt geworden, dass ZF und Entwicklungsleiter Harald Naunheimer künftig ebenfalls getrennte Wege gehen.

Mit Material von dpa.