Franziskus bekräftigt nach Warnung seines Vorgängers Gültigkeit des Zölibats

Der frühere Papst Benedikt (r.) mit seinem Nachfolger Franziskus

Papst Franziskus hat mit einem generellen Bekenntnis zum Zölibat auf die eindringlichen Warnungen seines Vorgängers Benedikt XVI. vor einer Aufweichung des Ehelosigkeitsgebots geantwortet. Allerdings könnte es künftig Ausnahmen für katholische Pfarrer in besonders entlegenen Weltgegenden geben, ließ Franziskus am Montag über einen Sprecher erklären. Benedikt XVI. hatte in einem gemeinsam mit dem erzkonservativen Kardinal Robert Sarah verfassten Buch die "ständige Infragestellung" des Zölibats angeprangert.

In dem Buch, aus dem die französische Zeitung "Le Figaro" am Sonntag zitierte, äußert sich Benedikt beunruhigt zu den Diskussionen über das Gebot der Ehelosigkeit für katholische Priester. "Ich kann nicht still bleiben!" schreibt das ehemalige Kirchenoberhaupt darin.

Gemeinsam mit Kardinal Sarah mahnt er, dass sich die katholische Kirche nicht von "schlechten Einlassungen, Theatralik, diabolischen Lügen und im Trend liegenden Irrtümern" beeinflussen lassen dürfe, "welche den priesterlichen Zölibat entwerten wollen". Die beiden warnen auch, dass Priester durch die "ständige Infragestellung" des Zölibats "verwirrt" würden.

Vatikan-Sprecher Matteo Bruni betonte am Montag, dass die Position von Franziskus zum Zölibat bekannt sei. "Persönlich denke ich, der Zölibat ist ein Geschenk für die Kirche", zitierte Bruni die Worte des Papstes nach einer Reise im vergangenen Jahr.

Damals habe Franziskus vor Journalisten auch eine Aussage des mittlerweile heiliggesprochenen Papstes Paul VI. wiedergegeben: "Ich würde lieber mein Leben geben, als das Zölibatsgesetz zu ändern." Laut Franziskus dürfe "der Zölibat nicht optional sein", aber in entferntesten Regionen dieser Welt sollte es "Möglichkeiten geben", wenn es die Umstände verlangen.

Franziskus prüft derzeit, ob in entlegenen Weltgegenden wie etwa bestimmten Gebieten des Amazonas, in denen es einen drastischen Mangel an Priestern gibt, den Geistlichen die Ehe erlaubt werden soll. Es wird erwartet, dass er seine Entscheidung in den nächsten Wochen verkündet. Bei einer Amazonas-Synode im Oktober in Rom hatten Bischöfe den Papst aufgerufen, in der Amazonasregion das Priesteramt für verheiratete Männer zu öffnen.

Der 92-jährige Benedikt argumentiert aber laut "Figaro" in dem Buch, dass die Ehe "den Mann in seiner Gesamtheit betrifft" - da das Priesteramt ebenfalls die Gesamtheit des Mannes beanspruche, "scheint es nicht möglich, beiden Berufungen gleichzeitig nachzugehen".

Benedikt war im Jahr 2013 als Oberhaupt der katholischen Kirche zurückgetreten. Er war der erste Papst seit dem Mittelalter, der sein Amt niederlegte. Dass er sich nun zu einem von seinem Nachfolger aktuell erwogenen Thema öffentlich äußert, bezeichneten Vatikan-Experten als erstaunlichen Vorgang.

Der Experte Iacopo Scaramuzzi etwa schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, die "Kohabitation" von früherem und derzeitigem Papst sei "schwierig", wenn der Amtsvorgänger "nicht sein Versprechen einhält, sich zu verbergen und zu gehorchen".