Fotoprojekt: Protest junger Iranerinnen gegen Kopftuchzwang

Im Iran ist es Gesetz: Frauen mit Kopftuch in Teheran. (Bild: ddp Images)

Ein Kopftuch ist für manche Frauen nur ein schönes Accessoire – für andere steht es für Unterdrückung. Die niederländische Fotografin Marinka Masséus hat iranische Frauen fotografiert, die sich für einen kurzen Moment vom Kopftuchzwang in ihrem Land befreiten.

Die Aufnahmen der Künstlerin entstanden im Geheimen: In einer privaten Wohnung in der iranischen Hauptstadt Teheran schoss Masséus die intimen Bilder der Frauen – hinter Fenstern, die sie mit Alufolie abdecken musste, weil niemand den Blitz der Kamera sehen durfte.

Für das Shooting legten etliche Frauen ihre Tücher ab, warfen sie in die Luft oder zu Boden – diese Geste der kurzen Befreiung hielt die Fotografin fest. Hinter den Tüchern verstecken Frauen ihr Make-up, bunte Haare, ihre ganze Persönlichkeit. „Viele Iranerinnen hassen das Kopftuch, sie sehen es als Zeichen von Unterdrückung, das ihnen von einem repressivem Regime aufgezwungen wird“, erklärte die Künstlerin in einem „Huffington Post“-Interview.


Fotos dieser Art sind im Iran verboten, seit der Islamischen Revolution 1979 gilt für Frauen im ganzen Land Kopftuchzwang. Seit fast 40 Jahren dürfen sie nur mit langer Kleidung und bedeckten Haaren das Haus verlassen. In der Öffentlichkeit ist Frauen sogar das Tragen von Nagellack und Make-up verboten. Wenn eine Frau im Iran ihren Hidschāb nicht trägt, kann es zu einer Anzeige oder sogar zu eine Gefängnisstrafe kommen.

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Masséus kämpft mit dem Fotoprojekt „My Stealthy Freedom“ („Meine heimliche Freiheit“) für Selbstbestimmung und Freiheit. Die Künstlerin will mit ihrem preisgekrönten Projekt (LensCulture Portrait Awards 2017) demonstrieren, dass Frauen für sich entscheiden sollen, ob sie ein Kopftuch tragen und ihren Körper verhüllen wollen. Die Aktivistin Masih Alinejad hatte das Projekt ins Leben gerufen – sie ruft Frauen im Iran öffentlich auf, ihr Kopftuch abzulegen, wenn sie es wollen. Auch Frauen, die aus dem Ausland in den Iran kommen, fordert die Journalistin auf, bei ihrer Einreise kein Kopftuch zu tragen.

“Ich sehe Veränderung”

Einige der Frauen, die Masséus fotografierte, erklärten ihr, dass sie in der Öffentlichkeit nicht auffällig auftreten würden, damit ihre Familien keinen Ärger mit dem Gesetz bekämen. Andere, liberalere Frauen versuchten es dennoch immer wieder, mit kleinen Revolutionen aufzufallen, indem sie extrabunte Kopftücher, enge Hosen oder zu kurze Mäntel tragen, die der Religionspolizei ein Dorn im Auge sind.

„Wenn ich mich auf den Straßen umsehe, sehe ich heute grelle Farben, die Mädchen tragen ihre Hidschābs so tief, dass man ihre Haare sieht. Ich sehe Hoffnung“, verriet eine von Masséus fotografierte Frauen anonym. „Ich sehe Veränderung. Gerade mal vor fünf Jahren war alles braun und schwarz, so wie es das Regime wollte. Aber jetzt: Farben, Farben, Farben! Also trage auch ich meinen bunten Hidschāb und fahre mit dem Fahrrad, was auch gegen das Gesetz ist, um dem Regime zu trotzen. Ich werde mein Leben leben und mich nicht verstecken. Ich habe Hoffnung.“


Auch Masséus ist sich sicher, dass schon die kleinen Dinge im Alltag ihre Wirkung haben werden. Sie verriet der „Huffington Post“: „Diese immer neuen Beweise von Mut bewirken Veränderung – langsam, aber sichtbar.“


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