Fotografie: Unbestechlicher Blick

Die Kamera im Anschlag: Selbstporträt aus dem Jahr 1964

Es ist gut und hilfreich, dass auf vielen Fotos Danny Lyons auf den ersten Blick erst einmal Ordnung herrscht. Da gibt es zum Beispiel ein klares Links und ein klares Rechts: Links stehen vier Schwarze, ein fünfter ist angeschnitten. Rechts stehen vier Weiße, ein fünfter ist ebenfalls angeschnitten. Totale Symmetrie. Zwischen ihnen: Ein Gatter, auf dem "Private Pool – Members Only" steht. Das Foto stammt aus der Zeit der beginnenden US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, als Menschen begannen, gegen die Rassentrennung etwa in öffentlichen Schwimmbädern zu demonstrieren.

Aber in der Mitte des Bildes ist noch jemand: eine Mittlerfigur. Er erhebt durch seine pure Existenz Einspruch gegen die herrschende Ordnung. Mit dem Rücken zum Betrachter, steht er genau an der Grenze zwischen denen, die drin sind, und denen, die draußen bleiben sollen. Er wirkt nicht aggressiv, aber massiv, fast beruhigend. Stark. Man wäre gern wie er. Danny Lyon hat diesen fragilen, genau ausbalancierten Moment festgehalten.

Mittendrin sein, nah dran an den Randgestalten, Außenseitern und Verurteilten, das ist die große Stärke des 1942 in New York geborenen Fotografen und Filmemachers. Die Retrospektive "Danny Lyon. Message to the Future" im C/O Berlin, von Julian Cox kuratiert und von den Fine Arts Museums of San Francisco organisiert, zeigt jetzt im Erdgeschoss des Amerika-Hauses rund 175 Fotografien, darunter die wichtigsten Serien der späten 60er- und 70er-Jahre.

Bild Nr. 1:
Seine Fotos sind stille Chroniken einer vergangenen Zeit: Danny Lyon im C/O Danny Lyon / BM

Wie jene Aufnahmen, die Danny Lyon zu eine...

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