Fotografie: Gelebtes Leben in Bildern

Emma Morano wurde 117 Jahre alt. Sie starb im April diesen Jahres. Zuvor hat Karsten Thormaehlen sie noch fotografiert

Der Frankfurter Fotograf Karsten Thormaehlen (52) hat sich auf Porträts von über 100-Jährigen spezialisiert. Seine Arbeiten über das Alter wurden bereits in über 50 Ausstellungen auf der ganzen Welt präsentiert und gewannen zahlreiche Preise. Wir sprachen mit ihm über gnädiges Altern, zahnloses Lächeln und die Frage, wie man sehr, sehr alt wird.

Herr Thormaehlen, Sie haben als Creative Director in der Werbung lange mit Top Models gearbeitet, bevor sie sich auf alte Menschen spezialisiert haben. Was hat eine über 100-jährige Greisin, was Kate Moss nicht hat?

Karsten Thormaehlen: (lacht) Natürlichkeit. Und Neugier. Sie freut sich darauf, fotografiert zu werden. Es ist etwas Besonderes.

Müssen Sie als Fotograf Pionierarbeit leisten?

Nur ein bisschen. Die Fotosession lebt von der Spontanität. Ich teste, was ich aus den alten Menschen rauskitzeln kann. Sie kennen ja das lange Stillsitzen noch aus der analogen Zeit der Fotografie. Das erleichtert mir die Arbeit. Sie sind viel geduldiger als Menschen, die jeden Tag Selfies machen und das Ergebnis sofort begutachten können.

In Ihrem Buch schreiben Sie, Sie hätten in diesen Gesichtern eine andere Art von Schönheit gefunden, vielleicht die wahre. Was meinen Sie damit?

Damit meine ich die innere Schönheit. Den Moment, in dem sich der Porträtierte öffnet und etwas von sich preisgibt. Der Look ist gar nicht so wichtig oder die Frage, ob die Haare gut liegen. Das sind ja nur Äußerlichkeiten. Ich versuche, die reife Schönheit zu erfassen, die sic...

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