Forscher sehen deutsche Wirtschaft weiter auf Wachstumskurs

Der deutsche Außenhandel hat im August kräftig angezogen. Exportiert wurden Waren im Wert von 103,1 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das waren 7,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat und 3,1 Prozent mehr als im Juli 2017

Die deutsche Wirtschaft bleibt nach Einschätzung von Wirtschaftsforschern weiter auf Wachstumskurs: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hob seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr am Donnerstag auf 1,9 Prozent an. Auch das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) erwartet für 2017 eine Steigerung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,9 Prozent. Für das 2018 sei ein Zuwachs von zwei Prozent zu erwarten.

Das DIW hob seine Prognose aufgrund "des unerwartet kräftigen ersten Halbjahres" an. Für das kommende Jahr sei mit einem ähnlichen Anstieg zu rechnen.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher warnte zugleich, die deutsche Wirtschaft stehe "nur scheinbar gut da". Die niedrigen Zinsen und die sehr gute Arbeitsmarktsituation würden nicht von Dauer sein. Nötig seien mehr Investitionen in Bildung, Verkehrswege und die digitale Infrastruktur, forderte Fratzscher. Steuersenkungen und höhere Sozialausgaben kämen hingegen "besonders künftigen Generationen teuer zu stehen".

Dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge dürfte die Zuwachsrate des BIP in diesem Jahr zwei Prozent betragen. Für 2018 sei eine Steigerung um 2,2 Prozent, 2019 um 2,1 Prozent zu erwarten, erklärte das Institut.

Damit steigere die deutsche Wirtschaft ihre Leistung "schneller, als ihr guttut", erklärte das IfW. Die Überauslastung nehme zu, was eine schmerzhafte spätere Korrektur wahrscheinlicher werden lasse. Die stark anziehende Konjunktur im Euroraum spreche für eine Abkehr der Europäischen Zentralbank (EZB) von der Niedrigzinspolitik.

Ungeachtet von Forderungen nach einem geldpolitischen Kurswechsel beließ die EZB den Leitzins am Donnerstag bei 0,0 Prozent. Die Zentralbank setzt außerdem ihr Anleihekaufprogramm fort, das derzeit einen Umfang von monatlich 60 Milliarden Euro hat. Zuletzt hatte es verstärkt Forderungen an die EZB gegeben, wegen der gestiegenen Inflation von der lockeren Geldpolitik abzurücken.