Forscher haben ein wurmähnliches Tier nach 24.000 Jahren im sibirischen Eis wiederbelebt – es konnte noch essen und sich fortpflanzen

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Russischen Forscherinnen und Forschern ist es gelungen, ein winziges Tier namens Bdelloida wiederzubeleben. Das Tier wurde in sibirischem Eis gefunden und ist etwa 24.000 Jahre alt. Nach dem Auftauen war der winzige wurmartige Organismus in der Lage zu fressen, wie im folgenden Video zu beobachten ist.

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Außerdem war das Rädertierchen nach dem Auftauen in der Lage, sich fortzupflanzen — und das auch ohne einen Partner, so die Forscherinnen und Forscher in ihrer Studie. Das lässt die Schlussfolgerung zu, dass diese mehrzelligen Lebewesen in einer Art eiszeitlicher Wartehaltung über Zehntausende von Jahren überleben können. "Wir haben Tiere wiederbelebt, die einst Wollmammuts kannten", sagte Stas Malavin vom Soil Cryology Laboratory in Russland, einer der Autoren der Studie. Die Ergebnisse wurden am Montag in der Fachzeitschrift "Current Biology" veröffentlicht und von Fachleuten begutachtet.

Rädertiere zählen zu den hartgesottensten Tieren der Welt, schrieb Malavin in einer Erklärung an Business Insider. Sie sind für ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Umweltbedingungen bekannt und gehören zu den strahlungsresistentesten Tieren der Erde. Außerdem können sie auch extreme Dehydrierung und geringen Sauerstoffgehalt ertragen.

"Wenn das stimmt, wäre das ein unglaubliches Ergebnis. Es würde die bisher dokumentierte Überlebensfähigkeit von Bdelloida im Eis von zehn Jahren auf 30.000 Jahre erweitern", sagte Timothy Barraclough. Er ist Professor für Evolutionsbiologie an der Universität Oxford und erforscht Rädertiere. Allerdings warf er ein, dass es durchaus möglich sei, dass die Tiere das Eis erst zu einem späteren Zeitpunkt als vor 24.000 Jahren oder sogar erst nach der Freilegung des Eiskerns besiedelt haben. "Ich benötige noch etwas zusätzliche Überzeugungsarbeit", sagte er.

Bei diesen Tierchen handelt es sich jedoch nicht um die ältesten jemals gefundenen Tiere, die das Einfrieren überleben können. Im Jahr 2018 wurden zwei parasitäre Würmer, die als Nematoden bekannt sind, aus einem mindestens 30.000 Jahre alten Eis wiederbelebt.

Die biologischen Mechanismen zu verstehen, die es den Rädertieren möglich machten, so lange Gefrierzeiten zu überleben, könnten den Forschenden wichtige Erkenntnisse liefern. So könnten diese Erkenntnisse etwa bei der Entwicklung eines besseren Gefrierverfahrens für Körpergewebe, wie menschliche Organe, helfen, heißt es in einer studienbegleitenden Pressemitteilung. "Das Ergebnis ist, dass ein multizellularer Organismus eingefroren und als solcher für Tausende von Jahren aufbewahrt werden kann, um dann wiederbelebt zu werden — ein Traum vieler Romanautoren", sagte Malavin.

Dieser Artikel wurde von Ilona Tomić aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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