Forscher haben die Überreste eines Teenagers gefunden, der vor 7.200 Jahren starb – und damit eine bisher unbekannte Gruppe von Menschen entdeckt

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Überreste des 17- bis 18-jährigen Mädchens in der Ausgrabungsstätte.
Überreste des 17- bis 18-jährigen Mädchens in der Ausgrabungsstätte.

Wissenschaftler haben in einer Höhle in Indonesien die Überreste eines 17- bis 18-jährigen Mädchens gefunden, das vor etwa 7.200 Jahren gestorben ist. Ihre Knochen enthüllen eine Abstammung vom Menschen, die der Wissenschaft zuvor unbekannt war. Die Überreste von Leang Panninge (benannt nach der Höhle in Sulawesi, Indonesien, wo sie gefunden wurden) stammen wahrscheinlich von der Toalean-Kultur ab – einer schwer fassbaren Gruppe von Jägern und Sammlern, die vor etwa 1.500 Jahren ausgestorben sind.

Die Ergebnisse, die am Mittwoch im Peer-Review-Journal "Nature" veröffentlicht wurden, geben einen Einblick in die geografischen Bewegungen des Menschen während der Jungsteinzeit.

Eine Karte der Wallacea-Region.
Eine Karte der Wallacea-Region.

Die Kultur der Toalean ist für Archäologen "rätselhaft", sagte Adam Brumm, Professor für Archäologie an der australischen Griffith University und Autor der Studie. Die Toalean-Kultur „scheint aus dem Nichts zu kommen und hatte anscheinend keinen oder nur begrenzten Kontakt zu anderen frühen Kulturen auf der Insel“, sagte er.

Die Toaleaner hielten sich an einem kleinen Teil der südwestlichen Halbinsel von Sulawesis auf, sagte Brumm. Das ist für Paläontologen besonders interessant, weil Sulawesi Teil der Wallacea-Region ist – einer Ansammlung indonesischer Inseln, die bereits vor 50.000 Jahren von den ersten modernen Menschen als "Trittsteine" zwischen Eurasien und Ozeanien genutzt wurden. Die Toalean-Kultur hinterließ Werkzeuge und komplizierte Pfeilspitzen, aber nur sehr wenige Fossilien und keine brauchbare DNA. Bis die Überreste von Leang Panninge entdeckt wurden.

Entdeckung wirft neue Fragen auf

Der Prozess der DNA-Extraktion aus den 7.200 Jahre alten Knochen war mühsam, aber es hat sich gelohnt, sagten die Autoren der Studie in ihrer Erklärung. Das genetische Material enthüllte, dass der Teenager Vorfahren mit den heutigen Papua-Neuguineern und indigenen Australiern teilte, die bereits vor 50.000 Jahren in Wallacea ankamen. Die allgemein vertretene Hypothese vor diesen Ergebnissen war, dass asiatische Populationen erst vor etwa 3.500 Jahren nach Wallacea kamen, sagte Brumm gegenüber CNN.

Ausgrabungen in der Höhle.
Ausgrabungen in der Höhle.

Aber die DNA enthüllte auch Gene, die zu keiner anderen bekannten Population passten, sagten die Wissenschaftler. Das deutet darauf hin, dass eine bestimmte Gruppe – die der Wissenschaft zuvor unbekannt war – in Wallacea früher als bisher angenommen aus Asien aufgetaucht sein muss. "Wir können nicht sagen, wer diese Menschen waren. Aber ihr 'genetischen Fossil' ist einmalig", sagte Cosimo Posth, Autor der Studie und Professor für Paläogenetik an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Die Autoren fanden auch Spuren von Denisova-DNA, einer ausgestorbenen Gruppe archaischer Menschen, die mit den am häufigsten in Sibirien und Tibet vorkommenden Neandertalern verwandt sind, was darauf hindeutet, dass sie viel weiter gereist sind als bisher angenommen. Den Wissenschaftlern stellt sich am Ende die Frage: Was ist mit der Toalean-Kultur passiert? Sie erhoffen sich bei weiteren Ausgrabungen neue Erkenntnisse.

Die Leang-Panninge-Höhle in Sulawesi, Indonesien.
Die Leang-Panninge-Höhle in Sulawesi, Indonesien.

Dieser Artikel wurde von Klemens Handke aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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