Forsberg: Hier orientiert sich Leipzig an Bayern

Niclas Löwendorf
·Lesedauer: 6 Min.

Emil Forsberg ist ein Gesicht des starken Jahres von RB Leipzig unter Julian Nagelsmann. (DFB-Pokal: FC Augsburg - RB Leipzig ab 18.30 Uhr im LIVETICKER)

Im SPORT1-Interview spricht der Schwede über seine neue Rolle, Leipziger Gemeinsamkeiten mit dem FC Bayern und ambitionierte Ziele mit Blickrichtung Mai.

SPORT1: Herr Forsberg, wie behalten Sie dieses besondere Jahr im Hinterkopf?

Emil Forsberg: Das war ein ganz besonderes Jahr für alle. Es ist immer noch schwer zu greifen. Zum Glück können wir Fußballer nach wie vor das machen, was wir lieben. Dafür sollten wir sehr dankbar sein. Wir fahren zum Spiel, zum Training und dann geht’s gleich wieder nach Hause. Da machst du nicht viel mehr, aber das ist immer noch besser als nichts. Ich glaube, auch vielen Menschen tut es gut, am Wochenende Fußball zu schauen. So gibt es wenigstens ein wenig Abwechslung und Freude.

SPORT1: Wie wichtig ist es nach dem Pokalspiel für ein paar Tage Ruhe zu haben?

Forsberg: Ein paar freie Tage sind für jeden schön und wichtig, um sich ein bisschen zu erholen, Energie zu tanken und auch mal an andere Dinge als Fußball zu denken. Ich habe meine Familie sechs, sieben Monate nicht gesehen. Am 2. Januar steht aber auch schon das nächste Spiel an, am 28. Dezember bin ich wieder in Leipzig. Viel Zeit bleibt da nicht.

Forsberg: Aufstieg war bislang das Highlight

SPORT1: Sie sind seit sechs Jahren in Leipzig. Was war Ihr Highlight?

Forsberg: Das war der Aufstieg 2016. Wir haben zuhause gegen Karlsruhe gespielt. Es war ein super Tag, die Sonne hat geschienen, das Stadion war voll, wir haben gewonnen und sind aufgestiegen. Als wir anschließend mit dem Bus durch die Stadt gefahren sind, waren überall Menschen. So etwas vergisst du nie. Das wird für immer in meinem Herz bleiben.

SPORT1: Sie kennen auch noch die Duelle gegen den FSV Frankfurt und den SV Sandhausen aus der 2. Liga. Letzte Saison standen Sie im Halbfinale der Champions League, jetzt ist man wieder im Achtelfinale. Kann man diese Entwicklung so richtig wahrnehmen?

Forsberg: Ja, schon. Wenn man zu sich selber sagt, "Du kannst es schaffen, alles ist möglich!", dann kannst du es auch. Wir haben hier immer hohe Ziele gehabt, aber auch hart und richtig gearbeitet. Wir haben uns das einfach verdient, vor allem wenn man sieht, dass wir sieben Spieler im Kader haben, die auch schon in der 2. Liga dabei waren und jetzt immer noch Leistungsträger sind. Und das. Das ist schon stark.

SPORT1: Der Kern der Mannschaft spielt schon lange zusammen. Was zeichnet dieses Team aus und wie wichtig ist es diesen Kern so lange beisammen zu halten?

Forsberg: Wenn man sich die letzten Jahre anschaut, sieht man, wie wichtig ein Kern ist. Das haben auch die Bayern gezeigt. Thomas Müller, Manuel Neuer und Robert Lewandowski sind zum Beispiel immer dabei. Joshua Kimmich und Jérôme Boateng sind auch schon lange dort. Es ist wichtig, Leute da zu haben, die den Ablauf kennen, die wissen wie es in Leipzig, und im Verein läuft und wie wir Fußball spielen wollen. Wir sind immer noch hungrig, wollen immer noch besser werden, auch wenn wir seit vielen Jahren zusammen sind. Das können die anderen, jüngeren Jungs von uns mitnehmen. Für mich ist diese Geschichte einfach nur überragend.

Forsberg: "Haben noch kein perfektes Spiel gezeigt"

SPORT1: Welche Ziele haben Sie noch?

Forsberg: Bisher haben wir eine super Saison gespielt. Wir sind in der Champions League in einer ganz schwierigen Gruppe weitergekommen. Viele haben schon früh nach der Auslosung gesagt, dass es für Leipzig knapp wird, aber wir haben es geschafft. Wir haben Manchester United und Paris Saint-Germain geschlagen. Das zeigt unsere Qualität. In der zweiten Saisonhälfte wollen wir nun in allen Wettbewerben so weit wie möglich kommen. Am Ende des Tages musst du 100 Prozent geben, um das erreichen zu können. Wir haben immer noch kein perfektes Spiel gezeigt, aber wir arbeiten daran. Wir wollen in der Champions League so weit wie möglich kommen, in der Bundesliga oben bleiben und den Pokal gewinnen.

SPORT1: Sie haben gegen Manchester United und Paris Saint-Germain gewonnen. Welche Rolle nimmt RB mittlerweile im europäischen Fußball ein?

Forsberg:Wenn du die anderen Gegner fragst, haben sie Respekt vor uns. Wir haben 2020 gegen Tottenham, Atletico, Paris und Manchester gezeigt, dass wir uns gegen die Top-Teams in Europa durchsetzen können. An guten Tagen brauchen wir brauchen uns vor niemanden mehr verstecken. Wir wissen, was wir können, wollen das aber auf dem Platz zeigen. Spielen ist besser als reden.

SPORT1: Liverpool im Achtelfinale. Wie schätzen Sie das ein?

Forsberg: Das wird geil, ein fantastisches Spiel! Du willst solche Partien unbedingt spielen, du lebst dafür. Wir treten gegen eine Weltklasse-Mannschaft an, das wird vielleicht noch mal ein anderes Kaliber als Manchester United und Paris. Dennoch glauben wir an ein Weiterkommen, wie immer!

Forsberg in neuer Rolle, die "zu mir passt"

SPORT1: Sie haben in dieser Saison eine neue Rolle. Wie wohl fühlen Sie sich da schon?

Forsberg: Sehr wohl. Es ist eine Rolle, die sehr gut zu mir passt. Ich kann der Mannschaft helfen, mit dem Ball, aber auch ohne den Ball, zudem ein gutes Pressing auslösen.

SPORT1: Wie sehr ist ein Stürmer im System von Julian Nagelsmann gefordert?

Forsberg: Ich sehe mich nicht als klassischen Stürmer, eher etwas dahinter, man sagt glaube ich "falsche Neun". Wir können viele unterschiedliche Systeme spielen. Das macht uns unberechenbar, vor allem die Offensivspieler. Keiner weiß, was von uns kommt. Wir können jeden Gegner ein bisschen überraschen.

SPORT1: Nagelsmann hat vor wenigen Wochen gesagt "Emil Forsberg spielt immer". Macht Sie das stolz?

Forsberg: Ja, klar. Ich finde, ich spiele eine gute Saison, habe ein paar richtig starke Spiele gemacht und, fühle mich einfach fit, auch wenn hätte ich noch ein paar Tore mehr hätte machen müssen,. Das ganze Team hat ein tolles Jahr hinter sich, darauf können wir uns aber nicht ausruhen. Wir haben noch mehr als eine halbe Saison vor uns.

Meister? "Fragen Sie Ende Mai noch mal"

SPORT1: Können Sie sich vorstellen in Leipzig Ihre Karriere zu beenden oder ist das noch zu weit weg?

Forsberg: Ich habe noch eineinhalb Jahre Vertrag. Das ist das Einzige, was ich im Kopf habe. Ich will für den Verein alles geben. Ich spiele seit sechs Jahren hier, fühle mich richtig wohl, aber jetzt mache ich mir keine Gedanken über solche Dinge.

SPORT1: Julian Nagelsmann spricht auch von "immer mehr, immer höher". Wäre Leipzig schon bereit für den Meisterschaftskampf?

Forsberg: Wir wollen alle immer mehr. Aber stellen Sie mir die Frage am besten Ende Mai noch mal (schmunzelt).