Deutlich langsamer! Dieses Auto soll die F1-Zukunft retten

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Deutlich langsamer! Dieses Auto soll die F1-Zukunft retten
Deutlich langsamer! Dieses Auto soll die F1-Zukunft retten

Das ist also die Formel-1-Revolution für 2022!

Die Formel 1 hat im Rahmen des Großen Preises von Großbritannien (Das F1-Wochenende in Großbritannien hier im LIVETICKER) das Auto für die kommende Saison gezeigt. Es ist der Hoffnungsträger der Königsklasse, der die Kluft zwischen den reichen und armen Teams schließen, das Überholen erleichtern und die Show verbessern soll.

Dabei macht die Regel-Revolution die Autos zunächst einmal langsamer – um bis zu 3,5 Sekunden! Grund: Der Rennwagen wird allgemein schwerer: Das Mindestgewicht steigt von 752 auf 768 Kilo – das sind 128 Kilo mehr als 2011 und sogar 238 Kilo mehr, als ein Auto 1971 wog.

Die Gründe: größere 18-Zoll-Reifen (statt 13 Zoll-Ballonreifen), Verbot teurer und leichter Materialien, mehr Einheitsteile und eine verbesserte Sicherheit. (Fahrerwertung der Formel 1)

Mehr Überholmanöver ab 2022?

Dazu kommt: Der Abtrieb soll um 20 Prozent reduziert werden, damit es wieder mehr Überholvorgänge gibt.

Formel-1-Sportchef Ross Brawn: "Wir wollten Rennwagen, mit welchen die Piloten gut attackieren können. Wir wollen, dass das Feld zusammenrückt, dass die Teams überleben können und, last but not least, dass die Autos aufregend aussehen, schon im Stillstand. Wir wollten auch keine Autos, die ständig Teile verlieren. Die neuen Renner werden erheblich robuster sein als die heutigen."

Hintergrund: Derzeit verliert ein Fahrzeug beim Hinterherfahren durch die verwirbelte Luft des vorausfahrenden Wagens viel Anpressdruck und kann dadurch in Kurven nur schwer am Gegner dranbleiben. Bei einem Abstand von einer Wagenlänge beträgt der Abtriebsverlust mehr als 50 Prozent, bei drei Wagenlängen immer noch 32 Prozent.

Mit den Regeländerungen sollen diese Werte auf 14 Prozent Abtriebsverlust bei einer und nur noch sechs Prozent bei drei Wagenlängen reduziert werden.

Formel-1-Autos sollen aggressiv aussehen

Damit das klappt, ist die Aerodynamik einfacher und weniger verschnörkelt, generiert so weniger schlechte Luft. Ein Großteil des Anpressdrucks wird über den Unterboden gewonnen. Der sogenannte Ground-Effekt feiert sein Comeback. Der Diffusor ist 35 Zentimeter schmaler, dafür aber mit 70 Zentimetern doppelt so hoch. Ganz wichtig: Der Unterboden reagiert weniger sensibel auf Luftverwirbelungen.

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Der Frontflügel ist geschwungen, wächst aus einer tiefer angesetzten Nase und weist nur noch drei Elemente auf. Die Endplatten ragen dreieckig bis etwa auf halbe Radhöhe.

Auffällig: Ein Leitblech über den Rädern, das die Luftwirbel beruhigt. Auf seitliche Leitbleche, die Barge Boards, wird fast komplett verzichtet. Die Seitenkästen sind kurz und stark eingezogen. Die Endplatten des nun deutlich kleineren Heckflügels wirken wie ein Pfeil, was vor allem der Ästhetik dienen soll: Die neue Generation an Formel-1-Autos soll schon im Stand aggressiv aussehen.

Formel 1 will Kluft schließen

Antriebswelle, Aufhängungen, Dämpfer und Federn werden stark vereinfacht, eine hydraulische Steuerung ist verboten. Selbst Kleinigkeiten wie Radmuttern und Radnaben werden vereinheitlicht – damit das teure Wettrüsten bei Reifenwechseln eingedämmt wird.

Geringere Kosten sollen zudem durch längere Laufzeiten einzelner Teile gewährleistet werden. Das Design eines Getriebes wird für fünf Jahre eingefroren. Erst danach kann ein Team wieder eine Neukonstruktion aufsetzen.

FIA-Monoposto-Chef Nikolas Tombazis: "Im Grunde ist dieses Auto ein Flügelauto. Das heißt, Abtrieb wird weniger über die Flügel erzeugt, welche Luftwirbel produzieren, sondern mehr mit dem Wagenkörper. Als Ergebnis können sich die Rennwagen besser folgen. Dennoch haben wir genügend Bereiche, in welchen sich die Teams abheben können – Seitenkästen, Motorverkleidung, Lufteinlässe, Diffusor, Unterboden. Wir wollten sicherstellen, dass die Teams kreativ sein können."

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