Formel Gähn: Das muss sich ändern

Stefan Schnürle
Red-Bull-Pilot Max Verstappen hatte beim Saisonfinale in Abu Dhabi wenig Spaß

"Wenn ich ein Kissen im Auto gehabt hätte, wäre ich vielleicht eingeschlafen", klagte Red-Bull-Pilot Max Verstappen. Sein Boss Helmut Marko sprach sogar "von einem der fadesten Rennen, an das ich mich erinnern kann".

Das Saisonfinale in Abu Dhabi hat gezeigt, dass die neuen Formel-1-Besitzer von Libery Media noch einige Arbeit vor sich haben, damit die Rennen wieder spannender werden.

SPORT1 nennt fünf Dinge, die verbessert werden müssen.

Überholmanöver ohne DRS: 

Die Saison 2017 darf durchaus zu den Spannenderen gezählt werden. Dies liegt jedoch in erster Linie an dem lange Zeit packenden Duell zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel - spektakuläre Überholmanöver gab es selten.

Dies hängt auch mit der neuen Aerodynamik in dieser Saison zusammen, wodurch Überholmanöver ohne DRS - Verstappen ausgenommen - zur echten Mangelware geworden sind.

Laut Hamilton musste das eigene Auto in Abu Dhabi für ein Überholmanöver fast anderthalb Sekunden schneller sein. Fährt man zu dicht hinter dem Gegner, erzeugen die heutigen Autos so viele Luftwirbel, dass der Wagen instabil wird, die Reifen verschleißen und die Bremsen überhitzen.


Zu Saisonbeginn forderte Ex-Formel-1-Pilot Alexander Wurz deshalb bei SPORT1: "Man muss das Reglement so machen, dass der Abtrieb nicht so wesentlich vom vorderen Flügel kommt, sondern mehr vom Unterboden. Dann kann man auch ganz knapp hinterherfahren."

Änderung der Streckenlayouts:

Das Rennen in Abu Dhabi hat einmal mehr gezeigt, dass einige Strecken für Überholmanöver schlichtweg ungeeignet sind.

"Es war ziemlich langweilig. Ich habe Räikkönen fast die ganze Zeit vor mir gehabt. Auf dieser Strecke kann man einfach fast nicht überholen", schimpfte Verstappen und auch Hamilton kritisierte die Kursführung des Yas Marina Circuits.

Strecken-Architekt Hermann Tilke will sich diesem Problem annehmen. "Wir haben eine Idee, eine Kurve zu verändern", sagte Tilke bei Sky und erklärte, dass es nur eine "sehr kleine Änderung" sei, die aber eine "große Auswirkung" haben könnte.

Formel-1-Sportchef Ross Brawn verriet wenige Tage zuvor, dass man sich mit einigen Strecken bereits im Gespräch über einen möglichen Umbau befindet.

Design der Autos:

Die Optik der modernen Formel-1-Autos steht schon seit einigen Jahren in der Kritik. Der Wegfall der hässlichen Nasen war ein Schritt nach vorne - doch bis die Wagen den Charme der früheren Modelle verspüren, ist es noch ein weiter Weg.

Das weiß auch Formel-1-Sportchef Ross Brawn, der dieses Problem in den nächsten Jahren angehen will. "Ich will 2021 fabelhaft aussehende Rennwagen, mit welchen die Piloten sich nach Herzenslust auf ihre Gegner werfen können", sagte Brawn.

Mit diesem Vorhaben dürfte es aber erst einmal schwierig werden, denn 2018 wird der Cockitschutz Halo eingeführt. Fragt man Fahrer oder Team-Verantwortliche, wie sie das Design von Halo finden, hört man vor allem das Wörtchen "hässlich".


"Absägen wäre meine erste Idee. Die Sicherheit der Fahrer ist extrem wichtig, aber man hätte sich etwas Schöneres einfallen lassen können als so einen Flip Flop da oben aufzumontieren – mein sieben Monate alter Sohn sitzt mit so einem Teil in der Badewanne, damit er nicht rausfällt", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Ausgeglichenheit der Teams:

Mercedes, Ferrari, Red Bull - und dann kommt lange nichts. 60 Podestplätze gab es in dieser Saison zu vergeben, 59 Mal stieg ein Fahrer eines der drei Top-Teams auf das Podest. Lediglich Williams-Pilot Lance Stroll gelang mit Rang drei beim Chaos-Rennen in Baku das Kunststück, die Phalanx zu durchbrechen.

Brawn und Liberty Media ist diese Zweiklassengesellschaft ein Dorn im Auge. "Wir wollen keine Abstände von drei Sekunden. Wir wollen, dass die besten Teams vorne sind, weil sie besser gearbeitet haben, nicht weil sie das meiste Geld zur Verfügung hatten", sagte Brawn.

Dass die Schere immer weiter auseinandergeht, liegt auch am Verteilerschlüssel der Formel 1, der dringend geändert werden müsste.

Ein Beispiel: Ferrari bekam als Vorjahresdritter in der Konstrukteurswertung 108 Millionen Dollar mehr als Force India, das nur einen Platz hinter der Scuderia landete. Chancengleichheit schafft man so nicht.


Geringerer Leistungunterschied: 

Nich wenige glauben, dass es zu einem Dreikampf um den Titel gekommen wäre, wenn Verstappen statt Renault einen Mercedes-Motor im Heck seines Red Bulls gehabt hätte. Und auch McLaren deutete an, dass man in einigen Rennen um das Podest mitkämpfen hätte können - wenn da nicht der Honda-Motor wäre.

Für Brawn sind Kundenteams wie Red Bull und McLaren aufgrund der Kosten klar im Nachteil. Damit diese nicht völlig explodieren, muss die FIA die Zahl der Motoren begrenzen.

Dies hat aber die verhassten Gridstrafen zu Folge. Um 685 Plätze wurden Fahrer in diesem Jahr strafversetzt. Da 2018 nur noch drei Motoren erlaubt sind, wird das Strafen-Chaos womöglich noch größer.

Für Brawn ist indes klar: "Es soll durchaus einen Unterschied zwischen den Antrieben von Ferrari, Mercedes oder Renault geben. Aber die Lücke in der Performance muss unter Kontrolle bleiben."