Hamilton und Vettel können einem leidtun

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Hamilton und Vettel können einem leidtun
Hamilton und Vettel können einem leidtun
Hamilton und Vettel können einem leidtun

Bahrain, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate - und nun Katar.

Werden in dem Tempo weiter neue Strecken in dem Gebiet in den F1-Kalender aufgenommen, kann die Königsklasse des Motorsports bald eine eigene Weltmeisterschaft auf der Arabischen Halbinsel austragen lassen.

Dafür fallen seit Jahren traditionsreiche Strecken in Hochburgen des Motorsports weg, die sich die Formel 1 einfach nicht mehr leisten können. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Eines der prominentesten Opfer ist der Hockenheimring. Für die Streckenbetreiber stellen die hohen Antrittsgebühren ein zu großes wirtschaftliches Risiko dar - diesen Faktor muss man bei den Wüstenrennen in etwa so ernsthaft einbeziehen wie einen Schneesturm während eines Rennens.

Doch die Geschäftemacherei der Königsklasse mit den arabischen Regimes hat ihren Preis.

Formel 1 folgt dem Ruf des Geldes

Der langjährige Formel-1-Mogul Bernie Ecclestone war nie für moralische Skrupel bekannt. Das nun regierende Business-Imperium Liberty Media - deren in diesem Jahr abgetretener Frontmann Chase Carey enger Vertrauter des ebenfalls berüchtigten Medien-Imperators Rupert Murdoch ist - verkauft sich zwar smarter, folgt aber ebenso dem Ruf des Geldes. Und das ruft in Katar und Co. ohrenbetäubend laut.

Um aber die Fans in Europa, der Heimatbasis, zugleich nicht zu sehr zu verärgern, wird zugleich versucht, den Rennkalender bis an die Grenze aufzublähen. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Doch dies wird nicht allzu lange möglich sein, da die Teams bereits jetzt an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stoßen. Dem Zehnjahresvertrag in Katar werden früher oder spätere andere Standorte weichen müssen. Für 2022 könnte es bereits Frankreich mit dem zugegeben wenig spektakulären Circuit Paul Ricard treffen.

Formel 1: Katar und Co. konterkarieren Image-Kampagne

Ein weiteres Problem der Deals mit Katar und Co.: Die Formel 1 verhöhnt sich damit nicht nur selbst, sondern lässt auch seine eigenen Piloten wie Heuchler aussehen. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Man bedenke: Jede Rennübertragung der Formel 1 beginnt gerade mit dem „We-Race-As-One“-Spot, in dem die Fahrer für Gleichberechtigung, Nachhaltigkeit, gleichen Zugang für alle und eine gerechte Repräsentation werben.

Mit diesem Anspruch ist es ohnehin so eine Sache: Weltmeister Lewis Hamilton weiß am besten, dass die Formel 1 diese hehren Ideale nur bedingt vorlebt, sprach erst kürzlich von einem „Milliardärsclub für Jungs“ - wie etwa Haas-Pilot und Milliardärssohn Nikita Mazepin.

Nur wer viel Geld oder Sponsoren mitbringt, hat in der Regel eine realistische Chance, es in die F1 zu schaffen. Und wie Hamilton selbst auch schon kritisch anmerkte, findet man außer ihm nur Fahrer mit weißer Hautfarbe. Eine Frau sucht man sowieso vergeblich.

Die Deals mit Gastgeberländern, die keinesfalls für Gleichberechtigung und Menschenrechte stehen, konterkarieren den progressiven Schein zusätzlich. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Sebastian Vettel und Lewis Hamilton im Dilemma

Natürlich: Die Formel 1 ist in dieser Hinsicht beileibe kein Einzelfall, vor allem Saudi-Arabien und Katar mit der Fußball-WM 2022 haben auch zahlreiche weitere Geschäftspartner im Sport, die dabei helfen, das zu betreiben, was Kritiker „Sportswashing“ nennen: Image-Politur durch Sport-Großereignisse, die von den politischen Verhältnissen ablenken.

Auch beim Versuch, das Beste daraus zu machen und Zeichen zu setzen, stoßen die Stars auf Widerstände: In Budapest musste Sebastian Vettel den Einzelkämpfer geben, indem er Regenbogen-Shirt und bunte Schuhe für die queere Community trug. Als Dank dafür bekam er eine Verwarnung der Formel 1, da er sie länger als erlaubt anhatte.

Auch beim Thema Nachhaltigkeit ist Vettel deutlich lautstärker als die Formel 1 selbst - auch wenn die Königsklasse grüner werden und zum Beispiel Einwegplastik bis 2025 aus dem Fahrerlager verbannen will.

Dazu sei angemerkt, dass mit Aramco der staatliche Öl-Konzern von Saudi-Arabien einer der F1-Hauptsponsoren ist - was entgegen aller Proteste von Menschenrechtsorganisationen auch die Vergabe des Rennens nach Saudi-Arabien erklärt.

Wie GP Racing aufzeigte, ist Aramco laut Schätzungen für 4,3 Millionen Tonnen Plastikabfall verantwortlich - und damit weltweit auf Rang fünf. Das ging aus einem Bericht der australischen Minderoo-Stiftung mit Partnern wie der Energieforschungsgruppe Wood Mackenzie, der London School of Economics und dem Stockholmer Umweltinstitut hervor.

Leid tun einem bei all dem nur Fahrer wie Vettel und Hamilton, denen man abkauft, dass sie tatsächlich für eine Veränderung sorgen wollen - im Gegensatz zu Liberty Media.

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