Formel-1-Technik: Mit dieser kleinen Änderung startete Red Bull 2019 durch

Jake Boxall-Legge

Als Max Verstappen und Pierre Gasly vor einem Jahr zum ersten Mal den neuen Red Bull RB15 testeten, bemerkten beide schnell, dass das Auto nicht besonders leicht zu fahren war. Verstappen profitierte von seiner langjährigen Erfahrung als Red-Bull-Pilot und kam mit dem RB15 etwas besser klar. Doch Neuling Gaslys Selbstvertrauen bekam nach einem Crash in Barcelona früh einen Knacks.

Das Auto vermittelte den Fahrern in der Frühphase der Saison nicht das nötige Vertrauen. Durch ein paar kleine Änderungen konnte man den Piloten das Leben zwar etwas leichter machen. Doch insgesamt schienen die Änderungen an der Aerodynamik im Winter dem Team eher geschadet zu haben. Erst eine scheinbar kleine Änderung sorgte dafür, dass Red Bull wieder in die Spur fand.

Man musste sich den Frontflügel schon ganz genau ansehen, um die Änderungen vor dem Großen Preis von Österreich zu erkennen. Doch unterm Strich sorgten diese dafür, dass Red Bull - und damit auch Verstappen - die Kurve bekam.

Zu Beginn des Jahres konnte man die Frontflügel der einzelnen Teams in drei Gruppen unterteilen. Ferrari und Alfa Romeo setzten auf nach außen abfallende Flügel, Mercedes und Red Bull auf das gegenteilige Prinzip und die anderen Teams lagen dazwischen. Schnell wurde klar, dass der Ansatz von Ferrari und Alfa der richtige war.

Österreich als Wendepunkt für Red Bull

Red Bull blieb seinen Flügeldesign grundsätzlich zwar treu, setzte vor dem Heimrennen in Spielberg aber ebenfalls etwas verstärkt auf das Outwash-Prinzip. Beim Vergleich der beiden Flügel (Abbildung unten) fällt auf, dass die Österreich-Spezifikation außen etwas tiefer abfällt. Der Punkt, an dem das oberste Element mit der Endplatte verbunden ist, wurde nach unten verschoben (grüner Pfeil).

Ziel war es, die Luft leichter um das Vorderrad herumzuführen und dadurch weniger Turbulenzen in diesem Bereich entstehen zu lassen. Auch an der Bodenplatte gab es eine kleine Änderung. Der rote Pfeil in der Abbildung markiert die Stelle am Flügel, an der es ab Österreich minimal mehr Bodenfreiheit als zuvor gab.

In der Abbildung werden die Änderungen zum Österreich-GP deutlich

In der Abbildung werden die Änderungen zum Österreich-GP deutlich Motorsport Network

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Änderungen am Frontflügel wirken sich aerodynamisch auf das gesamte Auto aus, weil der Luftstrom von dort über den kompletten Boliden geleitet wird. Die ab Österreich eingeschlagene Richtung verbesserte die Charakteristik des RB15 ohne Frage, und Verstappen konnte nach einem harten Kampf mit Charles Leclerc gleich in Spielberg seinen ersten Saisonsieg holen.

Anschließend war der Niederländer konstant im Spitzenfeld dabei. Auch wenn sich die Red-Bull-Performance in diesem Zeitraum nicht nur dank des Frontflügels so stark verbesserte, hat er dem Team auf jeden Fall dabei geholfen, mehr Pace zu finden. Das trug dazu bei, dass Verstappen die WM auf Rang drei und damit vor beiden Ferrari-Piloten beenden konnte.

Was plant Red Bull für 2020?

In der Schlussphase der Saison 2019 testete Red Bull in einigen Trainings bereits neue Teile für 2020. Dazu zählte auch ein Frontflügel im Ferrari-Stil, den die Bullen in Brasilien zum ersten Mal ans Auto brachten. Das obere Element fällt dabei noch deutlicher nach außen ab, um den Outwash-Effekt zu verstärken. Das ist in der unteren Abbildung durch die gelben Pfeile markiert.

Links ist der alte Flügel zu sehen, rechts die Testversion aus Brasilien

Links ist der alte Flügel zu sehen, rechts die Testversion aus Brasilien Motorsport Network

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Die grünen Pfeile zeigen die überarbeiteten Spitzen der einzelnen Elemente. Das Ende des oberen Elements ist weiter nach unten gezogen, während die Teilung im dritten Element verworfen wurde.

Es bleibt abzuwarten, ob Red Bull mit diesen Experimenten Ende 2019 zufrieden war und das Flügelkonzept des RB16 noch mehr in diese Richtung verschoben hat. Klar ist nur, dass Red Bulls Pace am Ende der vergangenen Saison deutlich besser war als zu Beginn. Will man 2020 endlich wieder Weltmeister werden, müssen allerdings noch weitere Schritte folgen.

Red Bull präsentiert seinen neuen RB16 am 12. Februar in Silverstone.

Mit Bildmaterial von LAT.