Formel-1-Technik: Drei Veränderungen am Frontflügel von Red Bull

Matt Somerfield
·Lesedauer: 3 Min.

Obwohl die schwierigen Streckenbedingungen eine richtige Einordnung schwierig machen, hat sich in Istanbul angedeutet, dass Red Bull einen weiteren Schritt nach vorne gemacht hat. Max Verstappen und Alexander Albon scheinen mit dem Handling des RB16 besser zurechtzukommen als an den vergangenen Wochenenden. Das könnte an Detailänderungen an der Front des Autos liegen.

Das Streben nach Performance hat Red Bull im Laufe der Saison näher an Mercedes herangebracht. Ein großer Fokus des Teams lag dabei auf dem Frontflügel.

Drei Veränderungen wurden an ihm für dieses Wochenende vorgenommen. Dazu gehören eine angepasste Form des Bogens an der Fußplatte, der Ausbeulung in dem gebogenen Bereich zwischen Fuß- und Endplatte sowie des Gurney-Tabs an der Hinterkante der Fußplatte.

Kettenreaktion

Jedes für sich scheint nur eine sehr geringe Veränderung zu sein, aber im Gesamten werden sie einen deutlich größeren Effekt haben. Man muss es sich wie eine in Reihe geschaltete Lichterkette vorstellen, wo ein Element ein Problem für die gesamte Kette auslösen kann.

End- und Fußplatte sind häufigen Veränderungen unterworfen

End- und Fußplatte sind häufigen Veränderungen unterworfen<span class="copyright">Giorgio Piola</span>
End- und Fußplatte sind häufigen Veränderungen unterworfenGiorgio Piola

Giorgio Piola

Das bedeutet, dass die Veränderung in einem Bereich meist dazu führt, dass die Designer auch die anderen Bereiche optimieren müssen und daher dauerhaft an der besten Lösung arbeiten.

Die Form der Fußplatte etwa ist in stetigem Wandel. Die Teams probieren in den ganzen Jahren verschiedene Formen und Größen für die Fußplatte aus. In den vergangenen Jahren ist eine gewölbtere Form in Mode gekommen, mittlerweile scheint man aber eher eine flachere, rechteckige Form zu bevorzugen - wie hier bei Red Bull.

Was macht die Spalte an der Vorderkante?

In den vergangenen Rennen wurde aber eher der zentrale Teil des Flügels am meisten verändert. Red Bull hat eine Spalte neben dem Flügel eingeführt, durch den die Designer der Fußplatte und der Endplatte etwas Platz wegnehmen mussten. Dadurch tauchte plötzlich eine Auswölbung an der Oberseite auf.

Wozu ist der Spalt an der Vorderkante da?

Wozu ist der Spalt an der Vorderkante da?<span class="copyright">Giorgio Piola</span>
Wozu ist der Spalt an der Vorderkante da?Giorgio Piola

Giorgio Piola

Noch ist unklar, ob diese Spalte Teil eines größeren Systems ist, das die Hinterkante der Endplatte anbläst, oder ob es einfach einen Effekt auf das Druckgefälle hat. Klar ist nur, dass Größe und Form durch die Überarbeitungen beeinflusst werden, da die Auswölbung auf der Oberseite am Übergang zwischen Fuß- und Endplatte verändert wurde.

Der einst horizontale Gurney-Tab wurde angewinkelt, was einen Übergang mit der äußeren rechten Ecke bildet. Das Team spielt eindeutig gerne damit herum, wie die in diesem Bereich erzeugten Verwirbelungen arbeiten.

Einlass in der Cape-Sektion

Red Bull tauchte in der Türkei auch mit einer neuen Cape-Sektion auf, die auf jeder Seite einen briefkastenähnlichen Einlass aufweist. Die Form dieses Einlasses suggeriert, dass der Luftstrom von der Oberfläche zur Unterseite geleitet wird, um die Performance zu verbessern.

In der Cape-Sektion verstecken sich nun Einlässe an der Oberseite

In der Cape-Sektion verstecken sich nun Einlässe an der Oberseite<span class="copyright">Giorgio Piola</span>
In der Cape-Sektion verstecken sich nun Einlässe an der OberseiteGiorgio Piola

Giorgio Piola

Das könnte bedeuten, dass das lange Cape, das man zuvor gefahren hat, nicht so gut funktioniert wie erwartet oder nicht die aerodynamische Konstanz liefert, die man haben möchte.

Im Freitagstraining hat das Team die verschiedenen Versionen ausgetestet, während das Auto mit Messgittern ausgestattet war, um Daten über die Performance der Teile zu erhalten. Das ist im Entwicklungszyklus sehr wichtig, da es dem Team eine Bewertung ermöglicht, ob die Teile so funktionieren, wie die Simulationen vorhergesagt haben.

Weitere Co-Autoren: Norman Fischer. Mit Bildmaterial von Giorgio Piola.