Formel-1-Teams testen in Barcelona

Sebastian Vettel wird seinen neuen Ferrari auf der Strecke in Barcelona testen

Sebastian Vettel wippte beschwingt in den Knien. Auch sein Grinsen verriet die pure Vorfreude auf die erste Ausfahrt mit dem neuen Ferrari SF71H. "Wenn man das Auto zum ersten Mal als Ganzes sieht, will man nur noch einsteigen und losfahren", sagte der viermalige Formel-1-Weltmeister bei der Präsentation seiner neuen "Roten Göttin".

Ab Montag endlich darf der Heppenheimer bei den Testfahrten vor den Toren Barcelonas Gas geben - und wird dabei vielleicht schon eine Ahnung bekommen, ob er Weltmeister Lewis Hamilton im Mercedes auch in diesem Jahr herausfordern kann. (Rennkalender der Formel 1)

"Das Idealszenario ist, dass wir vorne wegdüsen. Da wäre ich nicht eingeschnappt", sagte Vettel bei RTL und fügte relativierend an: "Ich denke, wir haben gut gearbeitet. Wo wir stehen, wissen wir aber nicht."

"Monster oder Müll"?

Auch Sergio Marchionne wird gespannt auf den Circuit de Catalunya blicken. Der ehrgeizige Ferrari-Boss möchte wissen, ob seine Ingenieure "ein Monster oder Müll" geschaffen haben. Nach dem schwarzen Herbst 2017, der Vettel alle Titelchancen kostete, fordert der Italo-Kanadier jedenfalls nicht weniger als den Gewinn der Weltmeisterschaft.

Zu viele Erkenntnisse sollte man sich von den insgesamt acht Testtagen (26. Februar bis 1. März, 6. bis 9. März) aber nicht erhoffen. Den Teams geht es nämlich keineswegs darum, schon vor dem Saisonstart am 25. März in Melbourne sämtliche Karten auf den Tisch zu legen.


Vielmehr lautet die Devise, möglichst viele Runden zu drehen, um das neue Auto zu verstehen und zu verfeinern. Allerdings: Wer in der Vergangenheit bei den Tests gut unterwegs war, gehörte auch beim scharfen Start in die Saison zu den Besten.

Halo heiß diskutiert

Das Reglement ist im Vergleich zum Vorjahr, als die Formel 1 sich einer "Macho-Kur" mit breiteren Autos und Reifen unterzog, weitgehend stabil geblieben. Trotzdem redet der gesamte PS-Zirkus über ein neues Element: den seit diesem Jahr obligatorischen Cockpitschutz Halo.

"Wenn man mir eine Kettensäge gibt, schneide ich ihn einfach ab", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff zuletzt. Den Österreicher stört vor allem die Optik des Titankonstrukts, welches die Köpfe der Fahrer bei Unfällen noch effektiver schützen soll.

Auch Hamilton, der wie Vettel in diesem Jahr zum legendären Argentinier Juan Manuel Fangio (fünf WM-Titel) aufschließen kann, kann sich nicht so recht mit dem Look des "Alien" auf seinem Auto anfreunden.

Hamilton sieht Vorteil

Für die Ingenieure kommt erschwerend hinzu, dass der rund 14 kg schwere Halo das Fahrverhalten beeinflusst. Der Einsatz von Aerodynamik-Elementen zumindest zu Testzwecken wäre daher keine Überraschung. Und Hamilton hat neben der Sicherheit zumindest noch einen weiteren Vorzug ausgemacht: "Man kann den Halo auch als Werbefläche nutzen."

Aus technologischer Sicht konnte man bei den Präsentationen den Eindruck gewinnen, dass sich jeder bei jedem etwas abgeschaut hat. Ferrari etwa hat seinen Radstand verlängert und eifert damit Mercedes nach. Bei den Seitenkästen haben einige Teams beim Ferrari von 2017 abgekupfert, und und und.

Als "Alles-Gewinner" der letzten vier Jahre gilt Mercedes vor den ersten Tests als Referenz. Der Branchenprimus warnt aber pflichtgemäß. Ferrari und Red Bull, aber auch McLaren, Renault oder Williams seien zu beachten, sagte Wolff. Die Kräfteverhältnisse werden sich in Barcelona offenbaren - zumindest ein bisschen.