Formel 1: Seb und Lewis aufgepasst: Die Bullen kommen!

Max Verstappen hat den Großen Preis von Malaysia gewonnen, Red-Bull-Teamkollege Daniel Ricciardo wurde Dritter. Zwar profitierten beide Piloten vom Ferrari-Pech, doch das Ergebnis zeigt: Die Österreicher sind zurück - und könnten für Lewis Hamilton und Sebastian Vettel noch zur Gefahr werden.

Max Verstappen hat den Großen Preis von Malaysia gewonnen, Red-Bull-Teamkollege Daniel Ricciardo wurde Dritter. Zwar profitierten beide Piloten vom Ferrari-Pech, doch das Ergebnis zeigt: Die Österreicher sind zurück - und könnten für Lewis Hamilton und Sebastian Vettel noch zur Gefahr werden.

Man kann Max Verstappen mögen oder nicht. Man kann ihm vorwerfen, in manchen Situationen zu viel zu riskieren. Und man kann kritisieren, dass er von vielen zu früh in die Kategorie "Weltklasse" aufgenommen wurde.

Was man aber definitiv nicht bestreiten kann: Verstappen wurde in dieser Saison vom Pech verfolgt. In sieben von 14 Rennen musste er seinen Red Bull frühzeitig abstellen und damit vor dem Malaysia-Wochenende eine Ausfallquote von 50 Prozent verkraften. Ob das nun in Spanien, Kanada, Belgien oder zuletzt in Singapur war - wann immer der Jungsprung in aussichtsreicher Position lag, machten ihm die Konkurrenten oder die Technik einen Strich durch die Rechnung.

Doch jetzt, nach Monaten voller Frust und Enttäuschung, kann Verstappen wieder lachen. Er ist auf dem Platz zurück, der ihn als einziger so wirklich glücklich macht: auf Platz eins.

"Der Sieg war überfällig nach dem ganzen Pech, das er dieses Jahr gehabt hat", unterstrich Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko nach dem Sieg bei Sky: "Das Überholmanöver (gegen Lewis Hamilton; Anm. d. Red) war Weltklasse."

Verstappen überholt Hamilton: "Eine Genugtuung"

Mit der Attacke gegen den Mercedes-Piloten legte Verstappen den Grundstein für seinen zweiten Triumph in der Formel 1 nach seinem Debütsieg beim Spanien-GP im Vorjahr. "Lewis kam schlecht aus der letzten Kurve", beschrieb der Niederländer die Ausgangslage vor seinem Überholmanöver: "Er kämpft zudem um die WM, während ich nichts zu verlieren habe. Ich wusste, dass er es mir nicht wirklich schwer machen würde. Es lief ideal."

Verstappen profitierte dabei zusätzlich vom sogenannten Derating-Modus, in dem sich Hamilton befand. Der Engländer konnte seine Batterie nicht aufladen und musste auf Leistung verzichten. Mit stumpfen Waffen war er im Zweikampf machtlos.

Auch im weiteren Rennverlauf hatte Hamilton dann nicht die Spur einer Chance. Sobald er einen Zahn zulegte, konterte Verstappen mit einer noch besseren Rundenzeit. "Mercedes bei regulären Bedingungen auf der Strecke zu überholen", frohlockte Marko, "war schon eine besondere Genugtuung". Und Verstappen jubelte: "Das Auto war großartig, schlicht perfekt".

Red-Bull-Sieg zeichnete sich ab

Dass der RB13 auf dem Sepang International Circuit gut laufen würde, war zu erwarten. Mit einem Sieg rechneten die Verantwortlichen aber vor Rennstart nicht. "Auf dem Weg in die Startaufstellung wussten wir, dass wir ein gutes Auto für das Rennen haben. Doch dass es so gut sein würde, war mir nicht klar", gab Teamchef Christian Horner zu.

Schaut man auf die Zeit, die Sebastian Vettel von seinem letzten Startplatz aus gut gemacht hat, ist klar: Red Bull konnte nur gewinnen, weil der Ferrari des Heppenheimers am Samstag vom Technikteufel besessen war und weil sich Luzifer über Nacht Teamkollege Kimi Räikkönen vorknöpfte und einen Start des zweiten Ferraris unmöglich machte.

Dennoch hat sich der zweite Saisonsieg der Bullen in den letzten Wochen abgezeichnet. Schon beim Großen Preis von Italien Anfang September überraschte das viermalige Weltmeisterteam auf der Powerstrecke mit einer ungewohnt guten Rennpace. In Singapur wären Verstappen und Ricciardo unter normalen Bedingungen Sieganwärter gewesen. In Malaysia zeigte sich die Topform bereits in den Trainingssessions.

Auch Ricciardo, der an diesem Tag in der medialen Aufmerksamkeit ein wenig unterging, zeigte den Speed des Red Bulls. Valtteri Bottas im Mercedes ließ er mühelos hinter sich und auch im Kampf um Platz drei mit Vettel behauptete sich der Australier verhältnismäßig leicht.

"Wir wissen, dass wir ein schnelles Auto haben", sagte Marko nach dem Rennen. Es sei "schon fad, immer auf den Quali-Modus hinzuweisen, der uns in der Startaufstellung nach hinten verbannt", fuhr der Österreicher fort: "Wir haben gewusst, dass wir in Singapur, hier und in Suzuka Kurse haben, die uns liegen. Wir müssen jetzt schauen, dass wir dieses Tempo beibehalten. Podestplätze sind sicher möglich. Würde der eine oder andere Sieg hinzukommen, wäre das natürlich schön."

Red Bull will Mercedes und Ferrari ärgern

Das Bild erinnert dabei an die Vorsaison. Auch damals legte Red Bull nach dem Italien-GP zu und fuhr in den verbliebenen sieben Rennen sieben Mal aufs Podest. Mit dem Unterschied, dass man damals noch Ferrari in der Konstrukteurs-WM kassierte - ein Erfolg, der bei 115 Punkten Rückstand diesmal wohl nicht wiederholbar ist.

Trotzdem herrscht Zufriedenheit auf der RB-Chefetage. "Die Entwicklung, die wir nach unserem Fehlstart in Australien massiv betrieben haben, trägt langsam Früchte", zeigt sich Marko erleichtert: "Ich hoffe, dass die Pechsträhne jetzt vorbei ist und wir auch von Max noch einige Podestplätze sehen."

Eine gemäßigte Kampfansage, die Mercedes und Ferrari im Kampf um Punkte und die Fahrerweltmeisterschaft aber dennoch nervös machen dürfte. Während bis hierin absehbar war, dass Hamilton und Vettel im Normalfall schlechtestens Dritter werden, sind nun auch größere Punktverluste drin. Nämlich dann, wenn Verstappen und Ricciardo sich weiterhin gemeinsam mit Champagner bespritzen dürfen - eine Tatsache, die sowohl Hamilton als auch Vettel in Malaysia bereits zu spüren bekamen. Schon nächste Woche in Japan (alle Sessions im LIVETICKER) könnte das Bullen-Duo wieder das Zünglein an der Waage sein.

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