Formel 1: Das Rennen von Hamilton, Vettel und Verstappen: Grausam zum Titel. Zitternd zum Sieg.

Beim Großen Preis von Mexiko beendete ein Crash mit Lewis Hamilton Sebastian Vettels letzte Titelhoffnungen schon nach wenigen Sekunden. Die anschließende Aufholjagd des Ferrari-Piloten war nicht genug. Obwohl sich Hamilton somit vorzeitig zum Weltmeister krönte, war es für den Engländer das härteste Rennen des Jahres. Doch auch Sieger Max Verstappen musste trotz großem Vorsprung zittern.

Beim Großen Preis von Mexikobeendete ein Crash mit Lewis Hamilton Sebastian Vettels letzte Titelhoffnungen schon nach wenigen Sekunden. Die anschließende Aufholjagd des Ferrari-Piloten war nicht genug. Obwohl sich Hamilton somit vorzeitig zum Weltmeister krönte, war es für den Engländer das härteste Rennen des Jahres. Doch auch Sieger Max Verstappen musste trotz großem Vorsprung zittern.

Die Vorgabe war eindeutig: Sebastian Vettel musste auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez mindestens Zweiter werden, um seine theoretische Chance auf den WM-Titel in dieser Saison am Leben halten zu können. Besser noch wäre ein Sieg gewesen, denn so hätte Lewis Hamilton immerhin Fünfter und nicht nur Neunter werden müssen.

So eindeutig die Vorgabe vor dem Start ins 18. Saisonrennen war, so eindeutig war aber auch nach wenigen Sekunden: Vettel würde sein Ziel verfehlen. Und zwar mit einem Paukenschlag.

Bereits in der ersten Kurve ließ sich Vettel von Max Verstappen düpieren, als sich dieser mit gewohnter Härte außen am Heppenheimer vorbeiquetschte. Durch den Zweikampf, der fast schon wie zu erwarten in einer Berührung mündete, geriet Vettel auf eine schlechte Linie. Hamilton packte die Gelegenheit beim Schopfe und zog in der nächsten Kurve vorbei.

Szene vorbei? Von wegen! Vettel gab Gas, rutschte etwas nach außen - und traf seinen WM-Rivalen am rechten Hinterrad. Frontflügelteile des Ferraris flogen durch die Luft, Hamiltons Reifen platzte. Während sich Vettel bis zu seinem Notstopp in der ersten Runde auf Platz drei halten konnte, fiel der Engländer direkt bis ans Ende des Feldes zurück.

Keine Strafe für Vettel: Toto Wolff glaubt an Bonus

"Sebastian ist mit Untersteuern in Lewis' Hinterreifen gefahren. Lewis konnte überhaupt nichts dafür, weil er klar vorne war. Das war kein glückliches Rennen mit dem Rammstoß", analysierte Niki Lauda bei Sky den Zwischenfall. Schuld Vettel also? Der Mercedes-Aufsichtsratschef wägt ab: "So etwas kann schon passieren. Ich sehe das als Rennunfall an."

Der Meinung war auch die Rennleitung, die nach der Kollision von weiteren Konsequenzen absah. Eine Entscheidung, die für Motorsportchef Toto Wolff ein kleines Geschmäckle hatte. "Es geht um die Weltmeisterschaft und unter normalen Umständen hätte er (Vettel; Anm. d. Red) wohl eine Strafe erhalten", mutmaßte der Österreicher.

Doch auch ohne das Eingreifen der Kommissare waren Vettel und Hamilton schon bestraft genug. Von den letzten beiden Plätzen aus musste sich das eigentliche Spitzenduo nach vorne pflügen.

Vettel gelang das immerhin so weit, dass er sich nach den verbliebenen 70 Runden immerhin noch auf dem vierten Rang wiederfand. Eine nette Aufholjagd, doch um das große Ganze zu erreichen, zu wenig. Hamilton krönte sich zum Champion.

Er habe "versucht, alles zu geben", gab der Wahl-Schweizer nach dem Rennen zu Protokoll: "Aber am Schluss war die Lücke aufs Podium zu groß." Rund 40 Sekunden fehlten ihm bei Zielankunft auf den Zweitplatzierten Valtteri Bottas, immerhin 16 Sekunden auf Teamkollege Kimi Räikkönen.

Weltmeister Hamilton wird überrundet: "Grausam"

Und Hamilton? Der kam besonders im ersten Stint überhaupt nicht in Fahrt. Bis er den Vorletzten, Carlos Sainz Junior, überholt hatte, vergingen 28 Runden. Zur Erinnerung: Hamilton fährt in einem Mercedes, dem viermaligen Weltmeister-Schlitten. Sainz in einem Renault, der in der Konstrukteurswertung gerade gut genug für Rang sieben ist.

Hamiltons ungewohnte Probleme beim Überholen waren aber nicht alles. Im 27. Umlauf musste er eine besondere Schmach über sich ergehen lassen, als ihn der spätere Sieger Verstappen überrundete - am Tag seiner Krönung. Solch ein Szenario gab es zuletzt 1976 bei James Hunt. Kein Wunder, dass Hamilton später von einer "grausamen" Titel-Entscheidung sprach.

Auch Wolff wählte drastische Worte bei der Beschreibung des Grands Prix. "Ich habe das Rennen von der ersten bis zur letzten Sekunde gehasst", sagte er und gab zu, dass mit dem Titelgewinn "eine unglaubliche Last abgefallen" sei.

Allerdings kämpfte der Mann mit der Nummer 44 auf der Nase auch mit stumpfen Waffen. Vettel hatte ihm bei der Kollision den Diffusor am Heck beschädigt, seine eigentliche Pace konnte der Mercedes W08 somit nicht ausspielen. Davon wollte sich Hamilton aber nicht beeindrucken lassen: "Still I rise - das ist alles, was ich sage. Ich habe weitergemacht und bin zurückgekommen."

Red Bull und Max Verstappen zittern sich zum Sieg

Zurückgekommen ist auch Verstappen. Von einem ursprünglich desolaten Jahr hin zu nun zwei Saisonsiegen. "Um ehrlich zu sein: Es war eines der einfachsten Rennen meiner gesamten Karriere. Ich cruiste herum, fuhr aber trotzdem konkurrenzfähige Zeiten", erzählte der Niederländer cool.

Doch ganz so locker ging das Rennen nicht über die Bühne. Zumindest nicht in den Köpfen der Red-Bull-Verantwortlichen. "Ich war bei einem Rennen noch nie so nervös", gestand Teamchef Christian Horner: "Wir hatten ständig die Temperaturen und Drücke und was nicht noch alles im Blick."

Und RB-Motorsportchef Helmut Marko fügte an: "Wir haben bis zum Schluss gezittert. Max ist nur so schnell gefahren, wie es notwendig war. Konzentrationsmäßig ist es viel schwieriger, langsam zu fahren als am Limit zu fahren."

Hamilton, Verstappen und Vettel: zwei Gewinner, ein Verlierer

Immerhin fielen mit Daniel Ricciardo, Nico Hülkenberg, Brendon Hartley und Sainz gleich vier Fahrer mit einem Renault-Antrieb aus. Dass Verstappens Motor die volle Distanz schaffen würde, war somit höchst fraglich.

"Ich habe gesehen, dass mehrere Autos einen Motorschaden hatten und ausgefallen sind. Daher habe ich mir natürlich Sorgen gemacht", berichtete der jüngste GP-Sieger aller Zeiten. Um kein ähnliches Szenario erleben zu müssen, drehte er den Motor frühzeitig runter. Mit Erfolg, die Technik hielt.

So kam es also, dass Hamilton, Vettel und Verstappen drei äußerst ambivalente Rennen erlebten. Der eine fuhr seinen schwierigsten Grand Prix des Jahres und setzte sich dennoch die WM Krone auf. Der andere kämpfte sich willensstark durchs Feld, war aber der große Verlierer des Tages. Und der Dritte hatte die Hosen voll und cruiste doch zu seinem nächsten Sieg.

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