Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Bahrain

Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Bahrain

SEBASTIAN VETTEL: Das war knapp! Eine weitere Runde, und es wäre wohl nichts mit dem zweiten Sieg im zweiten Rennen geworden. Wurde es aber. Weil Vettel das Letzte aus sich und seinem schwimmenden Ferrari herausholte. Kaum Grip, dafür viel Leidenschaft und Können. Den Softreifen mit nur einen Stopp ins Ziel zu bringen und zu siegen, war eine Kunst. Legte mit der schnellen letzten Runde im Qualifying den Grundstein für den Sieg. Gewann zuletzt 2013 zwei Rennen in Folge, wurde in jenem Jahr Weltmeister. Ferrari gelangen zuletzt 2004 zwei Siege zu Beginn. Damals durch Michael Schumacher. Der wurde? Na klar, Weltmeister.
FRANCESCO: Der Unglücksrabe. Erst von Kimi Räikkönen über den Haufen gefahren, dann von Vettel getröstet. Wollte bei Räikkönens zweitem Stopp nur seinen Job am linken Hinterrad erledigen. Das endete fatal. Der Ferrari-Mechaniker erlitt beim Unfall einen Schien- und Wadenbeinbruch. Schmerzlich, doch immerhin: Die Scuderia widmete ihm Vettels Triumph. "Ein Sieg für Francesco", hieß es im Ferrari-Rennbericht. Sogar der mächtige Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne wünschte eine schnelle Genesung. Wenn das nicht hilft... 
MERCEDES: In Australien dominant, in Bahrain mitunter ein Rätsel. Die Silberpfeile suchten in der Wüste lange nach der Erfolgsformel - und fanden diese im Rennen. Die Ein-Stopp-Strategie für Bottas und Weltmeister Lewis Hamilton war exzellent. Bottas ging am Ende die Strecke aus, Hamilton schob sich von Platz neun auf drei. Nur Vettels Meisterleistung verhinderte den Doppelerfolg. Am Ende bleibt jedoch festzuhalten: Wieder kein Sieg für die Titelverteidiger.
LEWIS HAMILTON: Zeigte ein starkes Rennen und machte das beste aus den schwierigen Voraussetzungen. Handelte sich wegen eines Getriebewechsels vor dem Qualifying eine Fünf-Platz-Strafe ein, ging so mit einem Handicap ins Rennen. Verlor anfangs Zeit im Verkehr und hatte Glück, dass die Berührung mit Max Verstappen für ihn folgenlos blieb. Hamilton kann den Großen Preis von Bahrain unter einem Stichwort abhaken: Schadensbegrenzung.
RED BULL: Schwarzes Wochenende für die Bullen: Machten sich berechtigte Hoffnungen auf einen Erfolg, hatten dann an allen Tagen Probleme. Vor allem Top-Talent Verstappen enttäuschte. Im ersten Training mit einem Defekt, im Qualifying mit einem Ausflug in die Bande, im Rennen wieder zu hitzköpfig. Der 20-Jährige schlitzte sich gleich zu Beginn den linken Hinterreifen an Hamiltons Mercedes auf: Aus in Runde drei. Zu allem Überfluss fiel auch Daniel Ricciardo mit einem Defekt aus - in Runde eins. Schlimmer geht's kaum.
PIERRE GASLY: Pierre wer? Machte für das Hinterbänkler-Team Toro Rosso einen überragenden Job. Erst Startplatz fünf, dann Vierter im Rennen. Selbst Gasly war verblüfft: "Wir müssen verstehen, warum wir so schnell waren." Auch für Motorenlieferant Honda ein Traumergebnis, das beste seit der Rückkehr in die Formel 1. 
SPRUCH DES WOCHENENDES: "Diese Reifen waren die letzten zehn Runden hinüber, völlig hinüber, Mamma Mia!" (Sebastian Vettel im Boxenfunk nach der Zieldurchfahrt)